ANGESICHTS EXTREMER RISIKEN, GERÜSTET SEIN FÜR EINE KAPUTTE WELT

April 11, 2018
von Egon von Greyerz
Original in Englisch vom Donnerstag, 5 April, 2018

Bis 2025 wird die Welt ein völlig andere sein. Doch wie werden die kommenden 4 bis 7 Jahre aussehen? Von Regierungen, Zentralbanken oder Medienpropaganda werden wir dahingehend nichts lernen – entweder verstehen sie nicht, was passiert, oder sie werden uns die Wahrheit nicht sagen. Aus der Geschichte lässt sich hingegen viel lernen. Um an Informationen zu kommen, vertrauen die meisten auf das Internet oder Nachrichtendienste. Doch größtenteils sind diese Informationen entweder schwer verdaulich, irreführend, schlichtweg „fake“ oder aber zu überwältigend, um etwas verstehen zu können.

Seit vielen Jahren warne ich vor den kommenden Risiken und Veränderungen, die die Welt erleben wird. Kaum jemand ist sich dieser Risiken bewusst, und die Zahl derjenigen, die sie verstehen, ist noch geringer. In diesem Artikel werde ich versuchen, eine Zusammenfassung dessen zu geben, was ich in Zukunft kommen sehe.

1. SCHULDEN UND DERIVATE

Alle Schulden und Derivate dieser Welt belaufen sich auf 2,5 bis 3,5 Billiarden $. Das ist das 35- bis 50-fache des globalen BIP. Diese Riesenmenge setzt sich hauptsächlich aus außerbilanziellen Derivaten zusammen. Diese Derivate sind durch nichts gedeckt; wenn die Gegenpartei ausfällt, implodieren sie und werden wertlos. Und das wird garantiert passieren. Zudem wird der größte Teil der globalen Schulden von rund 250 Billionen $ ausfallen, sobald die Anlage-Kurse implodieren und die Zinssätze explodieren.

2. AKTIEN

Die globale Aktienmarktkapitalisierung liegt bei ca. 80 Billionen $, was einer Verdreifachung seit 2009 entspricht. Wenn die Schuldenblase implodiert, werden mit ihr auch die Aktien implodieren. Effektiv, also im Verhältnis zu Gold, werden die Aktiennotierungen um mindestens 95 % sinken. Zwischen 1929-32 betrug der nominale Kursverfall 90 %, doch die heutigen Umstände sind erheblich schlimmer.

3. ANLEIHEN UND ZINSSÄTZE

Der 35-jährige Bullenmarkt bei Anleihen bzw. Bärenmarkt bei Zinssätzen endete 2015/16. Geldschöpfung und Zinsmanipulation durch Zentralbanken haben dafür gesorgt, dass ein künstlicher Anleihemarkt entstanden ist. Anleiheemittenten, staatlich wie privat, werden in die Insolvenz rutschen, und die Zinssätze werden rapide steigen. Die Zinssätze werden mindestens die Stände der 1970er und frühen 1980er erreichen – also ca. 20 %. Die Zentralbanken werden die Kontrolle über die Zinssätze verlieren, da die Sätze langlaufender Anleihen zuerst steigen werden. Ein systemischer Schuldenausfall wird zu einem Verzinsungsniveau von über 20 % führen.

4. WÄHRUNGEN

Über die letzten 100 Jahre haben alle großen Währungen um 97 – 99 % abgewertet – gemessen an ihrer Kaufkraft und Gold. Sie treten jetzt in die finale Phase ihres Entwertungswettlaufs ein. Da es nur noch 1-3 % Raum nach unten gibt, werden diese Währungen garantiert ihren intrinsischen Wert von NULL erreichen. Man sollte aber nicht vergessen, dass diese 1-3 % aus unserer Perspektive noch 100 % sind. Wir werden also in den kommenden Jahren den folgenschwersten Wertverfall von Papierwährungen erleben – allen voran der US-Dollar.

5. FINANZSYSTEM

Angesichts implodierender Schulden- und Anlagemärkte ist es unwahrscheinlich, dass das Banken- und Finanzsystem in seiner gegenwärtigen Form überleben wird. Es wird zu großen Ausfällen kommen. Die Vermögenswerte von Einlegern könnten komplett verschwinden oder wertlos werden. Das Treuhandrisiko ist ebenfalls als sehr ernst einzustufen. Das bedeutet, dass jede Kundenanlage, seien es Aktien, Anleihen oder Edelmetalle, verschwinden könnte.

6. GELDSCHÖPFUNG – HYPERINFLATION

Wenn die Schuldenmärkte implodieren und das Finanzsystem ernsthaft unter Druck gerät, werden die Zentralbanken in Panik verfallen und unbegrenzte Geldmengen schöpfen. Sie werden es zudem mit Zinssatzsenkungen versuchen, allerdings erfolglos. Wenn die Anleihemärkte einbrechen, werden die Zentralbanken die Kontrolle über die Zinssätze verlieren; die Zinssätze werden dann sprunghaft steigen. Anders als 2007-09 wird Geldschöpfung dieses Mal keine Wirkung zeigen. Das wird die Zentralbanken dennoch nicht davon abhalten, die Märkte mit wertlosen Papierzetteln zu fluten, was dann zur Hyperinflation führt…

Es wird aber nicht jener Typ von Hyperinflation sein, bei dem alle Preise steigen, denn hier brechen Banken- und Bubble-Assets ein. Buchstäblich alle Rohstoffe werden im Preis steigen, vor allem weil sie in US-Dollar denominiert sind. Aber einige werden stärker steigen als andere. Wahrscheinlich werden große Nahrungsmittelengpässe auftreten, die das Preisniveau anheizen. Die Preise der meisten Rohmaterialien werden steigen, zumindest anfänglich. Einige werden später fallen, wenn die Industrienachfrage rückläufig ist. Die Preise von Edelmetallen werden drastisch steigen, sowohl real als auch nominal.

7. DEFLATION – ASSET-IMPLOSION

Genau dann, wenn die Hyperinflation wütet, werden auch die Kurse der meisten Bubble-Anlagen effektiv einbrechen. Dazu zählen Aktien, Anleihen, Immobilien, Kunst, Sammlerautos, etc. Wenn die finale Geldschöpfungsschwemme scheitert – womöglich zum letzten Mal für Jahrzehnte –, wird sich die Hyperinflation in eine deflationäre Implosion verwandeln, bei der alle Asset-Preise einbrechen und die Welt in eine Wirtschaftsdepression stürzt. Wahrscheinlich werden die Edelmetalle zu diesem Zeitpunkt nicht entscheidend korrigieren.

8. SOZIALE UNRUHEN, BÜRGERKRIEG, KRIEGE

In den letzten Jahrzehnten hat die Ungleichheit extreme Ausmaße angenommen. 42 Individuen verfügen heute über dasselbe Vermögen wie die 3,7 Mrd. Ärmsten. In den USA besitzt das oberste 0,1 % ein Viertel des gesamten US-Vermögens. Bei zunehmender wirtschaftlicher Verschlechterung werden diese massiven Vermögensunterschiede garantiert zu sozialen Unruhen führen. Leere Mägen sind eine Gefahr für jede Gesellschaft! Die jüngsten Migrationsbewegungen in Richtung Europa und USA sind ebenfalls ein Bereich, der zu sozialen Unruhen und sogar Bürgerkriegen führen könnte. In Zeiten wirtschaftlicher Spannungen schiebt man häufig Minderheiten die Schuld an den Problemen zu.

Wenn Ländern das Geld ausgeht, beginnen sie häufig Kriege. Aus dem Westen kommt jedenfalls schon Säbelrasseln – allen voran aus den USA, die sich gegen Russland verbünden. Die militärische Macht Russlands und Chinas ist der des Westens weit überlegen. Doch in einem Nuklearkrieg kann alles passieren, und von der Erde würde kaum etwas übrigbleiben. Aktuell sind wir in einer Zeit aktiver Kriegszyklen, das Risiko ist also hoch.

9. GOLD UND SILBER

Wenn das Weltfinanzsystem bröckelt und die Papierwerte (Papieranlagen und -geld) sich entwerten, werden Gold und Silber nicht nur ihre Kaufkraft konstant halten (wie es historisch betrachtet immer der Fall war), sondern darüber hinaus auch noch eine deutliche reale Aufwertung erfahren. Ob Gold nun auf 10.000 $ oder 32.000 $ steigen wird, wie im Artikel von letzter Woche erwähnt, und Silber auf 500 $ oder mehr, ist dabei gar nicht das Entscheidende. Es kann aber als praktisch sicher gelten, dass Gold und Silber nicht nur der kommenden massiven globalen Geldschöpfung Rechnung tragen werden, sondern auch der Tatsache, dass das Papiergeld wertlos wird. Physisches Gold und Silber werden zudem zu einem Fluchthafen in einer unsicheren Welt werden.

Die Edelmetalle starteten 1999 zu einem Bullenmarkt und markierten 2011 ein temporäres Hoch. Nach einer Seitwärtskorrektur von einigen Jahren sind Gold und Silber jetzt für eine Explosion positioniert. Aufgrund der globalen Risiken könnte das jederzeit passieren.

Gold und Silber werden Stände erreichen, die sich heute keiner vorstellen kann. Wenn schließlich die Deflation einsetzt, werden sie sich von ihren brodelnden Spitzenständen zurückziehen und sich auf dennoch sehr hohen Ständen einpegeln. Gold und Silber werden nicht, wie etwa nach 1980, abstürzen, und zwar aus folgendem Grund: Es steht ein Ausfall des Finanzsystems an, bei dem Gold zum einzigen stabilen und vertrauenswürdigen Geld wird (gemessen an der Kaufkraft). Folglich wird es zu einer permanenten Neubewertung von Gold kommen und zur erneuten Einsicht, dass Gold das einzige Geld ist, das im Verlauf der Zeit überleben wird. Ob Gold zur Deckung von Währungen herangezogen wird, werden wir sehen. Persönlich würde ich “Frei-Gold“ bevorzugen: Gold, das durch keine Autorität kontrolliert oder manipuliert, sondern frei gehandelt wird.

10. AKTIV WERDEN

Da die Welt in eine historisch entsetzliche Phase eintritt – ökonomisch, finanziell, politisch und sozial –, wird sie im Anschluss daran ein ganz anderer Ort sein. Es wird der größte Vermögenstransfer der Geschichte stattfinden. Alle, die Aktien, Anleihen, Bankenanlagen und Anlageimmobilien besitzen, werden eine Vermögensschrumpfung von 75-95 % erleben. Investoren, die über reale Vermögenswerte wie produktives Ackerland und Werte im Boden verfügen, werden deutlich besser abschneiden.

Einige Vorkehrungsmaßnahmen zum Vermögensschutz lassen sich relativ einfach treffen – so zum Beispiel physisches Eigentum an Gold und Silber, das außerhalb des Bankensystems und außerhalb des eigenen Wohnsitzlandes gelagert wird. Jeder, der über investitionsfähiges Vermögen verfügt, muss einen beträchtlichen Anteil seiner Finanzanlagen in physischen Metallen halten. Aus meiner Sicht sind 25 % das absolute Minimum.

Könnte ich mit meiner oben beschriebenen Risikoeinschätzung falsch liegen? Das bezweifle ich. Alle oder die meisten dieser Risiken werden eintreten. Es könnte jetzt passieren oder noch etwas länger dauern, dennoch bestehen diese Risiken hier und jetzt, weshalb Schutz oder Versicherung entscheidend ist.

Falls Sie die kleinsten Bedenken haben, dass diese Risiken tatsächlich eintreten können, dann sollten Sie sich noch heute schützen. Bitte ignorieren Sie diese Risiken nicht, und ignorieren Sie nicht die Geschichte.



Egon von Greyerz
Gründer und Managing Partner
Matterhorn Asset Management
Zürich, Schweiz
Telefon: +41 44 213 62 45

Matterhorn Asset Management lagert strategisch einen bedeutenden Teil ihres Vermögens in der Schweiz in physischem Gold und Silber ausserhalb des Bankensystems. Wir freuen uns, unserer hochgeachteten Kundschaft aus über 55 Ländern einen einzigartigen und hervorragenden Service zur Verfügung zu stellen


Artikel dürfen publiziert werden mit einem Link auf GoldSwitzerland.com.