DER DOLLAR – VERGANGENHEIT IN BÖHMEN, ZUKUNFT IM CRASH

Februar 15, 2018
von Egon von Greyerz
Original in Englisch vom Freitag, 9 Februar, 2018

Praktisch kein Investor liest Geschichtsbücher und die wenigen, die es tun, glauben, dass heutzutage alles ganz anders ist. Die wichtigste Lektion ist, dass Menschen niemals dazulernen. Wenn sie dazulernen würden, dann wären sie nicht in einem Aktienmarkt investiert, der nach praktisch allen Kriterien in einer extremen Blasenbewertung liegt. Und sie wären auch nicht in weltweiten Anleihemärkten investiert, die über die letzten Jahrzehnte exponentiell gewachsen ist und während der in den kommenden paar Jahren nach der Pleite der Kreditnehmer wertlos werden wird. Noch würde irgendjemand Papiergeld besitzen, das über die letzten 100 Jahre zwischen 97% und 99% an Wert verloren hat und welches garantiert auch noch das letzte Stück fallen wird um den Wert auf Null zu bringen.

Die Geschichte des Geldes zeigt schön, dass je mehr sich etwas ändert, desto mehr ist alles gleich (“Plus ça change, plus c’est la même chose”). Die grösste Konstante in der Geschichte des Geldes sind die Boom-Bust-Zyklen bzw. das Alternieren zwischen Euphorie und Verzweiflung. Diese Zyklen sind Teil unserer Natur, so wie die verschiedenen Jahreszeiten.

Aber im Laufe der Geschichte glaubte der Mensch jedesmal wieder, besser als die vorigen Generationen bescheidzuwissen und die Boom-Bust-Zyklen eliminieren zu können. Gordon Brown, der Britische Premierminister erklärte dies stolz bevor 2007 die Wirtschaft kollabierte. Und auch Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger, glaubt, dass ewiger Wohlstand mittels unendlichen Schulden und grenzenlosem Gelddrucken erschaffen werden kann.

Solche anmassenden Besserwisser wurden aber noch jedes Mal von der Geschichte gedemütigt.

6,000 JAHRE LANG HAT GOLD ALLE ANDEREN WÄHRUNGEN ÜBERLEBT

Immer dann, wenn sich der Mensch von gutem Geld verabschiedet hat, waren die Konsequenzen katastrophal. Das einzige Geld, das den Lauf der Zeit überlebt hat, seit es in den Umlauf gekommen ist, war Gold. Alles andere Geld wurde durch Gier und wirtschaftliches Missmanagement zerstört. Ich zitiere Voltaire wohl schon seit mehr als 20 Jahren und werde es auch in Zukunft tun: “Papiergeld wird letztlich auf seinen intrinsischen Wert fallen – NULL”. Ob wir nun 100 Jahre zurückggehen, 300 Jahre oder 2000 Jahre, diese grossartigen neun Wörter sind die genaueste und wissenschaftlichste Definition der Wirtschaftsgeschichte. Dies ist die wichtigste Lektion, die jeder Student im Fach Wirtschaft lernen sollte. Mit diesem Wissen im Rucksack, kann jeder den wahrscheinlichen Ausgang eines Wirtschaftszyklus insbesondere des derzeitigen vorhersehen.

TULPEN UND BITCOINS WERDEN NIEMALS VERMÖGEN ERHALTEN

Also warum gehen Investoren nicht in Deckung und schützen sich gegen die auf weltweitem Level noch nie grösser gewesenen Risiken? Der erste Grund dafür ist Gier. Ob es nun Aktien, Tulpenknollen oder Bitcoins sind: Der Mensch lernt nie dazu. Die Gier übernimmt das Kommando und vernebelt jegliches rationale Denkvermögen. Dies führt dazu, dass die meisten Investoren in den Blasenmärkten bleiben bis zu dem Punkt, an dem sie praktisch wertlos sind.

Erfahrung und ein langes Berufsleben sind ein grosser Vorteil, wenn es darum geht, Risiko einschätzen zu können. Nichts geht über das persönliche Durchleben der Markt-Crashs von 50% oder mehr in 1973, 1987, 2000 und 2007. Man ist sich Risiko besser bewusst und damit auch der Notwendigkeit, Vermögen zu erhalten.

AKTIEN GEHEN IMMER HOCH!

Schaut man den Dow sagen wir einmal seit 1971 an: Er ist um Faktor 29 höher oder 2800%. Also warum sollten wir uns Sorgen machen, denn “Aktien gehen doch immer hoch”! Ja das ist absolut richtig, dass in den letzten 47 speziellen Jahren seit Nixon die Golddeckung des Dollars aufgehoben hat, die Asset-Märkte geboomt haben. Aber die meisten dieser Gewinne sind eine Illusion durch die Kreditexpansion, Gelddrucken und Währungsabwertung.

Investoren sind sich also immer noch sicher, dass Aktien auch in Zukunft hochgehen werden. Aber sie verstehen nicht, was mit ihren Investitionen geschieht, sobald die Droge des billigen Geldes weggenommen wird und die Zinsen markant ansteigen. Dies ist es nämlich, was wir in den nächsten Jahren erleben werden. Aktien gingen hoch nur wegen Kreditexpansion und künstlich tief gehaltenen Zinsen. Es ist unwahrscheinlich, dass diese zwei Faktoren auch in den kommenden Jahren noch zum Zug kommen werden.

Sicher werden Zentralbanken in Panik verfallen und grenzenlos Geld drucken, aber die Märkte werden schnell merken, dass dieses Geld wertlos ist, weshalb es keinen Effekt mehr haben wird.
Was Investoren auch nicht verstehen ist, dass es sehr lange dauern kann, bis Aktien nach einem grossen Absturz wieder diesen steilen Berg hochgeklettert sind. 1929 war der Höchsstand des Dow 481 Punkte bevor er innert weniger als 3 Jahren um 90% auf das Tief von 40 im Jahr 1932 fiel. Nur wenige wissen, dass es 26 Jahre dauerte, bis der Dow wieder auf den alten Höchsstand von 1929 zurückkam.

DER DOW BRAUCHTE 26 JAHRE UM WIEDER AUF DAS HOCH VON 1929 ZU KOMMEN

Der über 1000 Punkte Absturz im Dow von letztem Montag ist ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kommen wird. Vielleicht ist dies noch nicht ganz das Ende dieses mehrere Jahrzehnte dauernden Bullenmarktes aber das heutige Risiko ist gigantisch.
Sobald der Bärenmarkt beginnt, wird der Dow mehrere Tage von mehreren Tausend Punkte Abstürzen erleben. Der Crash von 1929 war 90% aber da die heutige Blase nach allen Masstäben so viel grösser ist, wird der jetzt kommende Absturz der amerikanischen Märkte wahrscheinlich mindestens 95% betragen.

DER NIKKEI IST IMMER NOCH 40% UNTER DEM HOCH VON 1989

Ein Beispiel aus der näheren Vergangenheit, bei dem ein Aktienmarkt sich nicht wieder erholt hat, ist der Nikkei, der im Jahr 1989 den Punktestand von 39’000 überschritten hat. Heute, 29 Jahre danach, ist er immer noch 40% unter diesem Level, wobei er zwischenzeitlich bis zu 80% auf das Hoch verloren hatte. Trotz massivem Gelddrucken und Schulden von über 1 Billiarde Yen und Null- und Negativzinsen während fast der ganzen 29 Jahre, ist der Japanische Aktienmarkt immer noch in einer Flaute. Das wahrscheinlichste Ergebnis für Japan ist, dass die Wirtschaft kollabieren wird und die Aktien 95% oder mehr fallen werden, während der Wert von Schulden auf Null fallen werden und in Folge der Yen ebenfalls auf Null.

 

DER DOLLAR FÄLLT SEIT EINEM HALBEN JAHRHUNDERT

Schauen wir auf den Dollar: Seit 1971 hat er gegen den Schweizer Franken 78% an Wert verloren und gegen die D-Mark bzw. den Euro 56%.

Gemessen in richtigem Geld – Gold – hat der Dollar über die letzten 100 Jahre 98% an Wert verloren. Fast der gesamte Wertverlust fand nach dem fatalen Entscheid von Nixon im Jahr 1971 statt.

 

PAPIERGELD – VON 100 AUF NULL IN EINEM JAHRHUNDERT

Gegenüber Gold haben alle Währungen über 100 Jahre zwischen 97% und 99% an Wert verloren

Es ist völlig klar, dass der Dollar auch die restlichen 3% an Wert gegenüber Gold verlieren wird um auf seinen intrinsischen Wert von NULL zu fallen. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass dies bedeutet, dass der Dollar 100% vom heutigen Level fallen wird. Und dieser Absturz ist praktisch garantiert. Es ist nur noch eine Frage, wie lange es dauern wird. Der grösste Teil dieses Crashs könnte sehr schnell innerhalb von 3-7 Jahren passieren. Gleichzeitig werden auch die US Schulden auf Null gehen und die Zinsen unendlich ansteigen.

DER DOLLAR – VON BÖHMEN IN DIE VERSCHOLLENHEIT

Interessanterweise kommt das Wort “Dollar” vom Tschechischen Königreich Böhmen, wo im frühen 16. Jahrhundert Silbermünzen geprägt wurden. Die Gegend hiess Joachimsthal und das Geld “Joachimsthaler” wurde mit Thaler oder Daler abgekürzt. Dieses Wort für Geld wurde in vielen Ländern der Welt benutzt. Nach Amerika kam es als der Spanisch-Amerikanische Peso, der zum Spanischen Dollar wurde. 1785 wurde er als die offizielle Währung in Amerika übernommen – der Amerikanische Dollar. Nach einem Kollaps des US Dollar in den nächsten Jahren, wird es interessant zu sehen sein, wie lange es dauern wird, bis der Dollar völlig verschwindet, wie schon der Denar nach dem Kollaps des Römischen Reiches.

DER DENAR – VON SILBER ZU STAUB

Die Silbermünze Denar wurde das erste Mal im Jahr 211 vor Christus geprägt. Als sich die Finanzen des Römischen Reiches verschlechterten, wurde der Denar nach und nach abgewertet. Während der 100-Jahre Periode von 180 bis 280 nach Christus nahm der Silbergehalt des Denar von 87% auf 0% ab. Dies ist genau das gleiche, was derzeit mit unserem Währungssystem passiert, wo alle Währungen gemessen in der Einheit des natürlichen Geldes Gold 97-99% an Wert verloren haben. Aber wir haben immer noch die letzten 1-3% vor uns. Dies wird sehr schmerzhaft für uns alle werden.

Silbergehalt im Römischen Denar

WELTWIRTSCHAFT – VON EUPHORIE ZUR VERDROSSENHEIT

Wir sind nun in der finalen Phase der Euphorie angekommen. Innerhalb der nächsten 6 bis 18 Monate wird sich die Euphorie aber in Verdrossenheit wandeln, während 100 Jahre Missmanagement und Manipulation der Wirtschaft enden. Es wird nicht nur die Finanzmärkte der Welt schwer beeinflussen, sondern in den meisten Ländern auch den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ich habe schon viele Male darüber gesprochen und es ist natürlich ein deprimierendes Szenario. Wir werden in der Welt wahrscheinlich sehr hohe Arbeitslosigkeit haben, kein oder sehr wenig Geld für die meisten Menschen, Krankheiten, Hungersnöte, keine sozialen Auffangeinrichtungen, keine Renten, wenig medizinische Versorgung, soziale Unruhen usw.

Niemand, absolut niemand kann sich völlig für dieses Szenario vorbereiten oder es vermeiden. Wir werden alle leiden. Wie ich schon oft gesagt habe sind Familie und Freunde der beste Schutz und wichtiger als alles andere. Für die wenigen, die das Privileg von Ersparnissen haben, ist es jetzt noch nicht zu spät etwas physisches Gold und Silber zu kaufen. Während dem Crash des Finanzsystems, werden Edelmetalle ihre Rolle als Geld wiedererlangen. Nicht nur werden Gold und Silber extrem wertvoll und begehrt sein, aber noch wichtiger werden sie ihre Kaufkraft erhalten, so wie sie es seit 6000 Jahren getan haben.

Investoren sollten sich nicht von kurzfristigen Bewegungen in Gold und Silberpreisen beeinflussen lassen. Eines Tages wird – ganz ohne Vorwarnung – Gold um hunderte Dollar und Silber um mehrere 10 Dollar innert sehr kurzer Zeit ansteigen. Gold und Silber müssen heute zu den derzeitigen niedrigen Preisen gekauft werden. Wenn die echte Bewegung kommt, wird es unmöglich sein, an physisches Gold oder Silber zu kommen – egal zu welchem Preis.



Egon von Greyerz
Gründer und Managing Partner
Matterhorn Asset Management
Zürich, Schweiz
Telefon: +41 44 213 62 45

Matterhorn Asset Management lagert strategisch einen bedeutenden Teil ihres Vermögens in der Schweiz in physischem Gold und Silber ausserhalb des Bankensystems. Wir freuen uns, unserer hochgeachteten Kundschaft aus über 60 Ländern einen einzigartigen und hervorragenden Service zur Verfügung zu stellen.


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