DIE GOLD-MAGINOT-LINIE WIRD BALD BRECHEN

Mai 8, 2019
von Egon von Greyerz
Original in Englisch vom Donnerstag, 2 Mai, 2019

Warum sind 99,9 % der Anleger keine Goldeigentümer? Aufgrund meiner Interessen und meiner Tätigkeit begegne ich prozentual deutlich mehr Menschen, als jenen 0,1 %, die ein Verständnis von Gold haben und Goldeigentümer sind. Ich begegne allerdings auch vielen Menschen, die von ihren Anlageberatern und den Medien hinsichtlich der Nutzlosigkeit von Gold indoktriniert wurden. Die meisten von ihnen verstehen Gold nicht und kennen weder seine Geschichte noch seine Funktion als Geld.

GOLD IST GELD

Hier also eine Liste mit einigen Fakten, ohne sich dabei im Detail zu verlieren:

  • Gold ist seit 5.000 Jahren Geld.
  • Gold ist das einzige Geld, das historisch betrachtet überlebt hat.
  • Während jeder großen Krise wurde Gold als Geld genutzt.
  • In allen historischen Phasen hat Fiat-Geld immer 100 % seines Wertes verloren.
  • Beispiel Römisches Reich: In einem Zeitraum von 100 Jahren sank der Silbergehalt der Denar-Silbermünzen von fast 100 % auf null.
  • Dasselbe passierte auch mit allen großen heutigen Währungen, z.B. dem Dollar, dem Pfund, dem Yen und der Mark/ Euro. Seit Gründung der Fed im Jahr 1913 haben alle Währungen einen Wertverlust von 97% – 99 % gegenüber Gold erlitten. Es bleiben also nur noch 1 % – 3 %, bis all diese Währungen ihren Wert verloren haben werden. Dazu wird es unter Garantie in den kommenden 5 -7 Jahren kommen. Denn die Schulden- und Anlagewertblasen werden implodieren und beim vergeblichen Versuch, das Finanzsystem zu retten, werden Staaten unbegrenzte Geldmengen schöpfen.
  • In den 2000er Jahren hat Gold besser abgeschnitten als alle anderen großen Anlagemärkte, einschließlich Aktien.

WENN SCHON KINDERN KEIN KONZEPT VON GELD BEIGEBRACHT WIRD, WIE SOLLEN ERWACHSENE ES DANN VERSTEHEN?

Alles oben Beschriebene sind unstrittige Fakten. Allerdings wird kein Staat oder keine Zentralbank das jemals zugeben, da die Totalentwertung einer Landeswährung das Scheitern der eigenen Wirtschaftspolitik offenlegt.

An den Schulen wird Wirtschaftsgeschichte nicht unterrichtet. Kein Kind bekommt richtigen Unterricht zum Thema Geld, Ersparnisse und Zinseszins. Durch Beobachtung und Erfahrung lernen sie über Schulden, Kreditkarten und dass man Geld ausgibt, welches man selbst nicht verdient hat. Wann werden sie je verstehen… ? Wann werden sie je lernen, was werthaltiges Geld ist und wie man seine eigenen Angelegenheiten und Geschäfte regelt? Es wird wohl leider nie passieren.

Wenn schon Kindern in der Schule nichts über werthaltiges Geld und Wirtschaftsgeschichte beigebracht wird, so darf man nicht erwarten, dass Erwachsene diese Themen kapieren.

Im Westen versteht die Mehrheit der Menschen nicht, dass die Dollar, Euro oder Pfund in ihren Taschen täglich an Wert verlieren – und zwar aufgrund andauernder Kredit- und Geldschöpfung. Die Menschen gehen davon aus, dass die Immobilien- und Aktienpreise steigen würden. Zudem glauben sie, dass Güter und Dienstleistungen regelmäßig teurer werden. Nur sehr wenige Menschen verstehen, dass nicht die Preise für Güter und Dienstleistungen steigen, sondern dass es der Wert des Geldes in ihren Taschen ist, der konstant abnimmt.

Dass Gold das einzige Geld ist, das historisch überlebt hat, hat vor allem einen Grund: Es kann nicht gedruckt werden. Zudem hat es andere wichtige Eigenschaften, wie z.B. Seltenheit, Unzerstörbarkeit, Teilbarkeit, etc..

GELDWECHSLER & BANKER

Wenn jemand in der Vergangenheit eine Dienstleistung erbrachte oder ein Produkt herstellte, wurde er in Gold bezahlt, und dieses Gold behielt für immer seinen Wert. Mit der Zeit gaben Geldwechsler und Banker dann handelbare Noten aus, die das Gold, welches in deren Tresoren verwahrt wurde, ersetzten. Bald schon erkannten sie, dass sich damit viel mehr verdienen ließe. Man brauchte nur deutlich mehr solcher Noten drucken als Goldbestände vorrätig waren. So begann die Entwertung von Papiergeld.

Stellen Sie sich einen Menschen vor, der den ganzen Tag gearbeitet hat und als Entlohnung für seine Dienste eine Goldmünze erhielt. Er bringt die Münze dann zur Bank, hinterlegt sie dort und erhält dafür eine handelbare Papiernote anstelle seines Goldes. Doch sein Banker ist gerissen und gibt eine weitere Note als Kredit an eine andere Person aus. Würde es in der ganzen Wirtschaft allein diese Transaktion geben, so hätte der Banker den Wert der Note jetzt halbiert. Der Banker ist gierig und gibt noch mehr Noten aus, wodurch deren Wert weiter sinkt. Das Gold hat aber seinen Wert behalten, das Papiergeld hingegen wurde entwertet. Als das Gold später durch Fiat-Geld ersetzt wurde, kam es zu einer kontinuierlichen Entwertung, weil die Banker und der Staat immer mehr Papiergeld emittierten, ohne dass dahinter noch die entsprechende Produktion eines Gutes oder einer Dienstleistung stand.

FALSCHGELD FÜHRT & SCHEINWERTE WERDEN IMPLODIEREN

In den letzten 100 Jahren – seit der Gründung der Fed – wurde mehr Geld gedruckt als jemals zuvor in der Geschichte, und wir erleben jetzt die exponentielle Phase mit einer Verdreifachung der globalen Verschuldung seit 1999, von 80 Billionen $ auf 250 Billionen $.

Die aktuelle Weltfinanzblase kann und wird kein gutes Ende nehmen. Das gesamte Falschgeld und alle Scheinbewertungen müssen zusammen mit den Schulden implodieren. Und aus diesem Grund müssen wir über physisches Gold verfügen – es dient dem Schutz vor den kommenden Katastrophen. Und ob Gold nun morgen oder in sechs Monaten steigt, ist vollkommen irrelevant, gemessen an all jenen Risiken, vor denen wir uns mit seiner Hilfe zu schützen versuchen.

GOLDHANDEL LIEGT BEIM 850-FACHEN DER GOLDPRODUKTION

Dass Gold oft heftig schwankt, hat nichts mit einem physischen Goldmarkt unter Freimarktbedingungen zu tun. Der Goldmarkt ist vollkommen manipuliert durch Zentralbanken und zwar über die BIZ in Basel (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) und ihre Lakaien, den Bullionbanken.

Die Tagesproduktion aus dem Bergbau liegt bei 329 Millionen $. Das Brutto-Handelsvolumen des Goldmarktes kommt jedoch pro Tag auf 280 Milliarden $, laut World Gold Council. Der tägliche Goldhandel schafft es also auf das 850-fache der Tagesproduktion. Der Großteil des Handels wird über die Bullionbanken und nicht über die Comex oder andere Terminbörsen abgewickelt. Man muss kein Handelsexperte sein, um zu verstehen, dass ein Markt, der jeden Tag das 850-fache der Tagesproduktion des Basisrohstoffs umsetzt, massiv manipuliert ist. Zudem hat der Handel in einer solchen Größenordnung nichts mit physischem Gold zu tun, er folgt eindeutig viel düsteren Absichten. Überraschenderweise zeigt uns der Chart unten, dass der Tagesgoldhandel doppelt so hoch ist wie der Tageshandel bei S&P-Aktien.

Die meisten westlichen Zentralbanken werden wahrscheinlich nicht annähernd so hohe Goldreserven besitzen, wie sie offiziell ausweisen. Sie wurden entweder heimlich verkauft oder über Bullionbanken verliehen. Der größte Teil des verkauften oder verliehenen Goldes ist in den Osten geflossen. Folglich verfügen die meisten Zentralbanken nur über einen Schuldschein von einer Bullionbank, der bestätigt, dass ihnen eine gewissen Menge physisches Gold geschuldet wird. Nur eines ist völlig klar: Dieses Gold wird niemals zurückkommen. Folglich sind die Bullionbanken mit tausenden oder viel wahrscheinlicher 10.000 bis 15.000 Tonnen physisches Gold short, das sie nie wiedersehen werden. Wahrscheinlich dient das wilde Trading der LMBA-Banken der Vertuschung massiver physischer Goldknappheiten bei den Bullion- und Zentralbanken.

GOLD-MAGINOT-LINIE IST SO DURCHLÄSSIG IST WIE DIE URSPRÜNGLICHE DES 2.WELTKRIEGS

Es gibt eine ganze Anzahl entscheidender Faktoren, die in Kürze zum Durchbruch durch die Gold-Maginot-Linie bei 1.350 $ führen werden.

Dazu zählen unter anderen:

  • die physische Goldknappheit bei der LMBA wie oben erläutert
  • die globale Kreditexplosion seit 2006 von 125 Billionen $ auf 250 Billionen $ heute
  • der Umstand, dass das Verhältnis zwischen Gold- und US-Geldangebot denselben Stand erreicht hat wie 1970 (Gold 35 $) und 2000 (Gold 300 $)
  • die Fragilität des Finanzsystems
  • US-Haushaltsdefizite seit 60 Jahren und Handelsdefizite seit 50 Jahren
  • die anhaltende Entwertung von Währungen
  • Handelskriege
  • geopolitische Spannungen

Die Liste oben ist mit Sicherheit nicht vollständig. Es ließe sich natürlich einwenden, dass viele der genannten Faktoren schon seit langer Zeit präsent sind und dass Gold seit 6 Jahren seitwärts tendiert.

Aufgrund von Faktoren wie Manipulation bewegt sich Gold nicht in einer geraden Linie. Zwischen 1972 und 1980 vollzog Gold eine Vervierundzwanzigfachung (24x) von 35 $ auf 850 $. Dann korrigierte Gold 29 Jahre bis auf ein Tief von 250 $ im Jahr 1999, als Zentralbanken, wie die Großbritanniens und die der Schweiz, einen Großteil ihres Goldes verkauften.

Dann erlebten wir eine große Bewegung auf 1.920 $ im Jahr 2011. Eine weitere Korrektur folgte und seit sechs Jahren oszilliert Gold unterhalb der Maginot-Linie bei 1.350 $. Allerdings sollte Gold nicht nur in einer Währung bemessen werden. Gegenüber anderen Währungen hat es sich deutlich anders verhalten. In Dutzenden Währungen steht Gold über den Hochs von 2011. Aufgrund der temporären Stärke des Dollars erscheint Gold schwächer als bei der Bemessung gegenüber einem Währungskorb.

GOLDSPEKULANTEN SIND UNGEDULDIG DOCH VERMÖGENSSCHÜTZER SIND ZUVERSICHTLICH

Wann wird der Aufwärtstrend beim Gold also wieder einsetzen? Viele Anleger, die Gold nahe der 2011-12er Hochs gekauft hatten, sind jetzt auf jeden Fall ungeduldig.

Die oben gezeigten fundamentalen Faktoren werden uns beim kurzfristigen Timing der Goldpreisentwicklungen nicht helfen. Viele von uns hatten nicht erwartet, dass Gold für 8 Jahre pausieren würde. Da wir allerdings seit über 17 Jahren, seit 2002, stark in Gold investiert sind, haben wir Geduld.

Also: Nur die kurzfristige Methode zur Vorhersage der Goldpreisentwicklung beschäftigt sich mit dem technischen Bild. Dieses sagt uns, dass Gold aktuell in der Schlussphase einer korrektiven Bewegung steckt. Sobald die Korrektur vorbei ist und Gold die Maginot-Linie bei 1.350 $ durchbricht, werden wir eine schnelle Bewegung auf 1.600 $ erleben. Es würde mich nicht überraschen, wenn Gold im Jahr 2019 gegenüber dem Dollar neue Hochs markiert – oberhalb von 1.920 $. Die nächste Aufwärtsbewegung könnte sogar schon in den nächsten 2-3 Wochen beginnen. Es ist möglich, wenn auch weniger wahrscheinlich, dass diese Bewegung im Zeitraum von August-September beginnt.

Man sollte Gold aber nicht zum Zweck der spekulativen Anlage kaufen. Gold sollte als Vermögensschutz oder Versicherung gegen ein brüchiges Finanzsystem gehalten werden, das wahrscheinlich nicht in seiner gegenwärtigen Form überleben wird.

Wie bei allen Versicherungen, sollte der Goldeigentümer nicht darauf hoffen, dass Gold steil steigen wird. Denn wenn das passiert, wird die Welt ein deutlich unangenehmerer Ort sein. Viel besser ist es, die aktuelle Zeit zu genießen – im Wissen darum, dass man geschützt ist, wenn die Probleme in der Welt ernsthaft beginnen.

SILBERBESTÄNDE WERDEN KNAPPER

Noch ist die Angebotssituation beim Gold akzeptabel. Silber zu bekommen, gestaltet sich aber immer schwerer, und die Schweizer Veredler bestätigen, dass die Silberbestände knapper werden. Wir müssen uns wieder vor Augen führen, dass das tatsächliche physische Handelsvolumen beim Silber heute gering ist. Angesichts der Seitwärtsbewegung der Kurse ist die physische Nachfrage nicht überschwänglich. Sobald Gold die Schwelle von 1.350 $ hinter sich lässt und Silber die Marke von 15,50 $, werden sich wahrscheinlich Knappheiten einstellen.



Egon von Greyerz
Gründer und Managing Partner
Matterhorn Asset Management
Zürich, Schweiz
Telefon: +41 44 213 62 45

Matterhorn Asset Management lagert strategisch einen bedeutenden Teil ihres Vermögens in der Schweiz in physischem Gold und Silber ausserhalb des Bankensystems. Wir freuen uns, unserer hochgeachteten Kundschaft aus über 60 Ländern einen einzigartigen und hervorragenden Service zur Verfügung zu stellen.


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