DIE KRISE VON 2007-9 IST ZURÜCK – MIT VOLLER WUCHT

März 1, 2018
von Egon von Greyerz
Original in Englisch vom Freitag, 16 Februar, 2018

Das Verhalten der amerikanischen Wirtschaft ist sehr leicht vorhersehbar. Egal wer Präsident ist und von welcher Partei er ist. Denn jeder Präsident gibt mehr Geld aus, als die USA sich leisten kann. Seit Reagan 1981 an die Macht gekommen ist, haben sich die amerikanischen Schulden im Durchschnitt alle 8 Jahre verdoppelt. Und auch Trump hat sich als Teil dieser Vorhersage entpuppt. Das gerade abgesegnete Budget stellt sicher, dass in den kommenden Jahren substantielle Defizite produziert werden. Das diesjährige Defizit könnte gerade noch unter 1 Billion Dollar sein, aber danach können wir davon ausgehen, dass für viele viele Jahre das amerikanische Defizit nicht mehr unter 1 Billion Dollar sein wird.

AMERIKANISCHE STAATSSCHULDEN BEI 40 BILLIONEN DOLLAR BIS 2025

Während der Amtszeit von Präsident Obama stiegen die Schulden von 10 Billionen Dollar auf 20 Billionen Dollar. Ob Präsident Trump es schafft, bis 2021 die Schulden unter 28 Billionen Dollar zu halten, ist fragwürdig. Bis 2025 aber – egal wer dann Präsident ist – werden die Schulden wieder auf ihrem historischen Trend liegen, was bedeutet, dass sie sich alle 8 Jahre verdoppeln. Dies bedeutet: 40 Billionen Dollar Schulden im Jahr 2025.
Wie eine solche riesige Schuldenmenge erzeugt werden kann, läuft nach einem recht einfachem Skript ab. Abstürzende Anleihen- und Aktienmärkte, hohe Zinsen, hohe Inflation, die zu Hyperinflation führt und Pleiten im Finanzsystem. All dies wird zu Gelddrucken in einem in der Geschichte noch nie dagewesenen Ausmass führen. Es wäre sogar ein Wunder, wenn die amerikanischen Schulden im Jahr 2025 nur 40 Billionen Dollar betragen würden. Mit Hyperinflation könnte der Betrag um ein Vielfaches höher sein.

 

BLASEN WERDEN PLATZEN

Die Märkte gaben während der letzten Wochen ein klares Signal, nämlich dass die sich Euphoriephase in der Wirtschaft dem Ende neigt. Es begann mit dem Platzen der grössten Blase der Geschichte – Kryptowährungen. Innert eines Monats wurde der Marktwert von 835 Milliarden Dollar auf 395 Milliarden Dollar mehr als halbiert.
Kryptowährungen waren eine wunderbare Spekulation für die wenigen, die es geschafft haben, ihre Gewinne mitzunehmen. Aber für viele war es desaströses Schneeballsystem, das in Tränen enden wird. Kryptowährungen haben nichts mit echten Investments zu tun und noch weniger mit Vermögenserhalt. Es gibt nichts einzuwenden dagegen, eine kleine Wette in einem spekulativen Investment offen zu haben. Leider jedoch, erlagen viele Käufer von Kryptos dem Reiz, auf Schulden zu kaufen und sitzen nun auf einem grossen Verlust.

Der Absturz in den Kryptowährungen ist symptomatisch für das Ende einer Ära. Verglichen mit dem 80 Billionen Dollar grossen weltweiten Aktienmarkt fallen Kryptos zwar nicht ins Gewicht, aber Aktien und Kryptos haben eines gemeinsam: Für beide geht es von hier aus steil bergab. Während Kryptos auf Null gehen werden, werden Aktien real um mindestens 90% fallen. “Real” bedeutet, dass Hyperinflation den Nominalwert von Aktien viel höher werden lassen könnte. Zwischen 1929 und 1932 fiel der Dow um 90%. Nach allen Messgrössen ist die Aktienblase noch viel grösser heutzutage, so dass nach erreichen der Höchststände des Marktes der darauf folgende Absturz alle schockieren wird.

Aktieninvestoren konnten für mehr als 100 Jahre auf einer fantastischen Welle reiten. Wer im Jahr 1913 – dem Jahr in dem die Federal Reserve gegründet wurde – 100 Dollar investierte, hätte jetzt 2.8 Millionen Dollar. Dies unter der Annahme, dass alle Dividenden reinvestiert worden wären und keine Steuern gezahlt hätten werden müssen. So ein Gewinn ist unglaublich und solche Bedingungen waren nur deswegen möglich, weil eine Gruppe Banker im Jahr 1910 auf Jekyll Island beschlossen hatte, die Kontrolle über das westliche Finanzsystem zu übernehmen. Dies war einer der bemerkenswertesten Finanz-Coups in der Wirschaftsgeschichte der Welt. Der berühmte Banker Mayer Amshel Rothschild hat vor über 200 Jahren gesagt: „Gebt mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es interessiert mich nicht, wer dessen Gesetze macht.“

Seit Gründung der Fed im Jahr 1913 mit dem Zweck, das Geldsystem zu kontrollieren, stiegen die weltweiten Schulden von praktisch null auf 250 Billionen Dollar heute. Zählt man die 250 Billionen Dollar an ungedeckten Verbindlichkeiten und 1.5 Billiarden Dollar Derivate hinzu, steht die Weltwirschaft vor einem gesamten Risikoberg von 2 Billiarden Dollar.

EINE KLEINER 1% ZINSANSTIEG WIRD EIN BLUTBAD AUSLÖSEN

Regierungen und Zentralbanken haben die Zukunft vieler kommender Generationen verpfändet. Niemand muss glauben, dass dieses Geld jemals zurückgezahlt wird oder dass den Verpflichtungen nachgekommen werden kann. Daher wird es keinen geordneten Ausstieg aus der grössten Finanzblase aller Zeiten geben. Zentralbanken sind daran, ihre expansive Politik zurückzufahren. Die Kombination aus dieser Reduktionspolitik und aus Zinserhöhungen wird die Blase garantiert zum Platzen bringen. Die Weltwirtschaft ist völlig abhängig von ihrer täglichen Dosis frischem Geld und Nullzinsen. Ein Zinsanstieg von 1% würde gemäss dem amerikanischen “Office of Financial Research (OFR)” zu einem veritablen Blutbad in den amerikanischen Investment-Grade Anleihenmarkt führen. Dies würde dann in Junk-Bonds, festverzinsliche Hypotheken und Derivate überschwappen und die Krise weiter befeuern. Ein Ansteigen der Zinsen wird auch den Offshore Dollar-Anleihen-Markt betreffen, der um Faktor 5 auf 10 Billionen Dollar angestiegen ist. Und mit über 1 Billiarde Yen an Schulden kann auch Japan mit Zinsen höher als Null nicht überleben.
Der OFR Stress Index (Grafik unten) ist ein tagesaktueller marktbasierter Überblick über den Stress in den globalen Finanzmärkten. Er wird aus 33 verschiedenen Finanzmarktvariablen wie Zinsdifferenzen, Bewertungen und Zinssätzen berechnet. Der Index ist derzeit auf einem ähnlichen Level wie vor der 2007-2009 Finanzkrise.

RISIKEN SIND AUF EXTREMEN LEVELS

Wie ich schon in vergangenen Artikeln besprochen habe, sind Risiken derzeit auf extremen Levels in den meisten Bereichen des Finanzsystems. Die Hauptindikatoren, die nun einen Wendepunkt im Markt signalisieren, sind Zinsen und Inflation die beide hochgehen, sowie der Dollar der fällt. Diese Trends werden sich in den kommenden Monaten und Jahren beschleunigen bis wir sowohl Zinsen als auch Inflation im Bereich von mindestens 10% sehen werden und bis der Dollar seine 100 Jahre dauernde Abwärtsspirale in Richtung Null abschliessen wird.

Die Volatilität in den Aktienmärkten, die wir Anfang Februar beobachten konnten ist noch ein zusätzlicher Indikator für eine Trendwende in der Weltwirtschaft. In 5 von 6 Tagen machte der Dow Bewegungen von 500 bis 1000 Punkten im Tagesverlauf. Kurzfristig werden wir nochmals einen höheren Druck auf die Märkte sehen, bis sie wieder nach oben drehen und ihre finalen Anstieg, den sogenannten “Melt-up” abschliessen werden. Ebenso könnte es aber sein, dass wir die Spitze bereits gesehen haben und die Märkte von nun an stark zu fallen beginnen. So oder so, Aktien sind ein Hochrisikoinvestment und Investoren sollten ihre Positionen reduzieren oder sich ganz aus dem Markt verabschieden.

Mit Aktienkursen, die fallen und Kryptowährungen, die ihren Wert halbiert haben, fangen die Edelmetalle nun an zu reagieren. Es ist üblich, dass wenn Aktien fallen, auch Edelmetalle zuerst einmal mitfallen, bevor sie ihren Aufwärtstrend wieder aufnehmen. Gold in US Dollar hat seit Anfang Dezember um 120 Dollar zugelegt. Damit Gold wirklich ansteigt, muss es in allen Währungen hochgehen. Aber dies war nicht der Fall. In Euros, Schweizer Franken und Pfund ist Gold nur knapp über den Levels von Anfang Dezember. Das heisst, es ist im Endeffekt nicht Gold, das seit Dezember angestiegen ist, sondern was wir hier sehen, ist Dollarschwäche.

EINE STARKE AUFWÄRTSBEWEGUNG IN GOLD IN ALLEN WÄHRUNGEN STEHT UNMITTELBAR BEVOR

Gold-Investoren im Dollar Raum haben also von der letzten Aufwärtsbewegung seit Dezember profitiert, die Investoren in anderen Währungen nicht. Über die letzten zwei Jahre wurde Gold in Euro in einem schmalen 160-Euro-Band zwischen 1060 EUR und 1220 EUR gehandelt. In den letzten 6 Monaten hat sich dieses Band weiter verschmälert und Gold in Euro steht kurz vor einem Ausbruch über 1200 EUR. Wenn diese Bewegung einsetzt, dann wird Gold wahrscheinlich nicht nur in Euro ansteigen sondern in allen Währungen.

SILBER WIRD DIE EDELMETALLE AUF NEUE HÖHEN FÜHREN

Das Gold/Silber-Verhältnis ist oft ein guter Indikator für die Richtung der Edelmetalle. Dieses Verhältnis hat ein Level von 80 zum 4. Mal in diesem Jahrhundert erreicht. Jedes Mal nachdem 80 erreicht wurde, gab es eine starke Gegenbewegung. Geht man nach dem Chart, steht eine Umkehr des Verhältnisses in den kommenden Wochen an. Dies wird dann dazu führen, dass Silber die Führungsrolle übernimmt und schneller hochgehen wird, während Gold mit langsamerer Geschwindigkeit nachzieht. Es ist also wahrscheinlich, dass Silber bald seine Aufwärtsbewegung auf neue Höhen startet, was zu signifikanten Kapitalgewinnen führen wird – gekoppelt mit hervorragendem Vermögenserhalt. Es muss aber physisches Silber sein, denn bedeutende Knappheiten sind zu erwarten, sobald diese Bewegung beginnt.

Schweizer Edelmetall-Refiner rapportieren beständige Nachfrage nach Gold. Wie gehabt kommen die Mehrzahl der Käufe aus dem Osten, insbesondere aus China. Für die 3000 Tonnen Gold aus Minenproduktion, gibt es eine stetige Nachfrage – hauptsächlich aus dem Osten. Sobald der Papiermarkt kollabiert, was 2018 passieren könnte, werden wir die jetzigen Goldpreise nie mehr sehen.

2007-9 KOMMT ZURÜCK

2018 ist wohl das Jahr, in dem die Krise von 2007-9 mit voller Wucht zurückkommt. Aber diesmal wird es deutlich ernster werden. Die Zentralbanken werden in Panik verfallen und Geld in einer noch nie dagewesenen Grössenordnung drucken was in einem Zusammenbruch von Währungen und Hyperinflation enden wird. Die Zeit, in der Gold und Silber zu jetzigen Preisen gekauft werden kann, wird auch zu Ende gehen und ab einem bestimmten Punkt wird es praktisch unmöglich sein, überhaupt Edelmetalle auf dem Markt zu finden – egal zu welchem Preis.



Egon von Greyerz
Gründer und Managing Partner
Matterhorn Asset Management
Zürich, Schweiz
Telefon: +41 44 213 62 45

Matterhorn Asset Management lagert strategisch einen bedeutenden Teil ihres Vermögens in der Schweiz in physischem Gold und Silber ausserhalb des Bankensystems. Wir freuen uns, unserer hochgeachteten Kundschaft aus über 60 Ländern einen einzigartigen und hervorragenden Service zur Verfügung zu stellen.


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