ITALIEN, HYPERINFLATION UND GOLD

Juni 13, 2018
von Egon von Greyerz
Original in Englisch vom Donnerstag, 7 Juni, 2018

Die EZB (Europäische Zentralbank) hatte gerade ihren 20. Geburtstag. Doch es gibt wirklich keinen Grund zu feiern. Die EU ist das totale Chaos, und der am 1. Januar 1999 eingeführte Euro ist eine gescheiterte Währung. Jeder EZB-Präsident musste Brände bekämpfen, die sehr wenig mit Preisstabilität zu tun hatten, sondern viel eher Überlebensfragen waren. Die meisten Brände waren viel bedrohlicher als die paar letzten Kerzen auf dem Euro-Kuchen, die Draghi jetzt versucht auszublasen. Während seiner Amtszeit hatte der französische EZB-Präsident Trichet ein noch größeres Feuer zu löschen: die Große Finanzkrise, die 2006 begonnen hatte.

EZB 4 BILLIONEN GEDRUCKT – MANDATSFREMD

Der einzige Auftrag der EZB ist die Erhaltung von Preisstabilität. Dieser Auftrag ist in der Tat zu einer sehr kostspieligen Übung geworden. Zwischen 2006 und 2011 verdreifachte sich die Bilanzsumme der EZB von 1 Billion € auf 3 Billionen €. Aber die Krise war 2011 noch nicht vorbei. Nach einer kurzen Schuldensenkung wuchs die EZB-Bilanz zügig weiter – von 2,3 Billionen € im Jahr 2014 auf 4 Billionen € heute. Es ist schon bemerkenswert zu beobachten, wie eine supranationale Bank entsteht, die sich – in Form massiver Geldschöpfung – automatisch auch einen Daseinsgrund schafft. Im Grunde verbrennt sie nur Geld und hat ansonsten absolut keinen Zweck. Und das ist natürlich weit entfernt von ihrer eigentlichen Aufgabe der Erhaltung von Preisstabilität.

Geldschöpfung erzeugt hohe Inflation und letztlich Hyperinflation. Nur aus einem Grund haben wir in der EU noch keine hohe konventionelle Inflation gesehen: Das gesamte gedruckte Geld ist, wie auch in den USA, in den Banken geblieben. Das hatte niedrige Inflation bei Verbraucherprodukten zur Folge und eine gewaltige Vermögenswertinflation. Folglich gab es massive Zuwächse bei Aktien, Anleihen sowie Immobilien-und Grundstückspreisen – aber nicht bei den Verbraucherpreisen. Somit hat die enorme Geldschöpfung durch EZB und Eurozone-Banken bislang nur geringe inflationäre Auswirkungen gehabt. Doch mit steigender Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird auch die Inflation steigen. Dieser Moment ist nicht mehr weit entfernt. Dasselbe wird in den USA passieren. Sobald die Geldumlaufgeschwindigkeit steigt, wird auch die Inflation in den USA rasch anziehen.

ITALIEN AUF DEM WEG INS VERDERBEN

Die EU hat derzeit mit großen ökonomischen und/ oder politischen Problemen in vielen Mitgliedsländern zu kämpfen. Italiens neue Koalitionsregierung ist ein Protest gegen die EU und den Euro. Schon jetzt hat das Land die höchste Schuldenstandsquote in Europa; und die neue Führung wird die Probleme nur noch verschlimmern. Dafür werden auf jeden Fall Steuersenkungen und erhöhte Ausgaben sorgen. Wie man im Chart unten sehen kann, liegt Italiens Verhältnis von Staatsverschuldung zum Bruttoinlandsprodukt schon jetzt bei 140 %. Hochgerechnet müsste dieses Verhältnis bis 2050 auf 210 % anwachsen. Im Umfeld steigender Zinssätze wird der Schuldendienst bald alle Steuereinnahmen aufzehren. Italien wird lange vor 2050 bankrottgehen und seine Schulden nicht mehr bedienen können.

Prognosen zufolge wird die Zahl der italienischen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter bis 2015 um ein Drittel schrumpfen – von 36 Millionen auf 24 Millionen. Es wird also deutlich weniger Menschen geben, die für eine deutlich gestiegene Schuldenlast bezahlen werden.

Massive Verschuldung, ökonomische Stagnation und Bevölkerungsrückgang werden einen deutlichen Abfall des BIP zur Folge haben. Bis 2050 wird ein Rückgang von 35 % erwartet.  

Sollten die Prognosen hinsichtlich kräftiger Rückgänge bei Bevölkerungszahlen und BIP sowie eines erheblichen Schuldenwachstums auch nur ansatzweise akkurat sein, so befindet sich Italien auf dem Weg ins finstere Mittelalter.

ITALIEN – EIN GLOREICHES LAND, DAS EIN BESSERES SCHICKSAL VERDIENT

Ich will an dieser Stelle betonen, wie traurig ich es finde, dass dieses glorreiche Land schon jetzt derart zu leiden hat und in Zukunft noch viel mehr leiden wird. Ich persönlich liebe Italien – die Menschen, das Essen, die Architektur, die Geschichte und die giola di vivere (joie de vivre) der Italiener. Es wird so tragisch sein, mit ansehen zu müssen, wie all das zerbricht und auseinanderfällt. Hoffentlich wird bis dahin noch viel Zeit vergehen. Doch so traurig es ist: Die Krise wirklich könnte wirklich unmittelbar bevorstehen.

ITALIEN IST NICHT ALLEIN

Italien ist allerdings nur eines von vielen Ländern, das in den kommenden Jahren zusammenbrechen wird. Spanien steckt in einer ähnlichen Situation, und der Ministerpräsident des Landes wurde gerade entlassen. Griechenlands Probleme wurden nie gelöst. Traurigerweise ist dieses schöne Land ebenfalls bankrott – wie auch die griechischen Banken. Ich könnte weitermachen mit Portugal, Frankreich, Irland, Großbritannien und vielen anderen. Die meisten dieser Länder haben unlösbare Probleme. Es ist nur eine Frage von Ausmaß und Zeit, bis das EU-/ Eurozonen-Kartenhaus einfällt. Die Karte unten zeigt potentielle Austrittsländer und passende Namen.

WECHSEL ZUM EURO HAT STARKE INFLATION VERSCHLEIERT

Doch zurück zum Hauptziel der EZB – Erhaltung der Preisstabilität, was ebenfalls ein kompletter Misserfolg war. Der Wechsel von den alten Landeswährungen (wie Mark, Franc, Lira, Pesetas, etc.) hat eigentlich verschleiert, was wirklich passierte. Viele Länder wie Spanien, Italien, Portugal und Griechenland waren sehr billig, als sie noch ihre eigenen Währungen hatten. Das ist nicht mehr der Fall. Der Wechsel zum Euro hat die tatsächliche Inflation, die in diesen Ländern entstanden ist, verscheiert. Kein Wunder, dass die Deutschen ihn TEURO nennen.

EINHEITSWÄHRUNG, DIE NICHT AUF ALLE PASST

Die für alle geltende Einheitswährung war letztlich eine Katastrophe für die schwächeren Eurozone-Länder wie Italien, Griechenland, Spanien, Portugal, etc. Der Euro ist zu stark für diese Länder. Die Folge sind schwache Exporte sowie Zahlungsbilanz- und Haushaltsdefizite. Länder wie Deutschland hingegen profitieren von einem aus ihrer Sicht schwachen Euro, der für starke Exporte und Überschüsse sorgt. Die andere Seite der Medaille ist aber, dass die EZB – also hauptsächlich Deutschland – die Defizite der schwächeren Länder finanzieren muss. Und wie wir alle wissen, werden diese Schulden niemals zurückgezahlt. Also, egal wie man es dreht, das EU-Experiment wird in einem Desaster enden. Die Frage ist nur, wie lange es noch dauern wird.

WÄHRUNGSENTWERTUNG – HOCHANSTECKEND

Hätten Italien, Griechenland oder Spanien immer noch ihre Landeswährungen, so wären diese jetzt schon wesentlich schwächer. Währungsentwertung wird die große ansteckende Krankheit sein, mit der die Welt in den kommenden Jahren leben muss. Sie wird die meisten Währungen der Welt treffen und wie ein Flächenbrand um sich greifen. Wie bei vielen Krankheiten liegt der Ausgangspunkt in der Regel in der Peripherie. Nehmen Sie nur die Türkei, Argentinien und Venezuela als Beispiel. Im Verlauf dieses Jahrhunderts sind die Währungen dieser drei Länder eingebrochen. Und dieser Einbruch beschleunigt sich jetzt.

Im Verhältnis zum Gold hat die Türkische Lira seit Januar 2000 ganze 97 % an Wert verloren, und dieser Sturz beschleunigt sich jetzt. Wer sich mit Gold abgesichert hatte, konnte zusehen, wie der Goldpreis relativ zur Lira in den letzten 18 Jahren um das 38-fache gestiegen ist (siehe Chart unten).

Schlimmer ist das Problem in Argentinien. Argentinien hatte vor 100 Jahren noch eine sehr starke Wirtschaft; in letzter Zeit durchlief das Land jedoch eine Krise nach der anderen. Der Argentinische Peso hat seit 2000 im Verhältnis zum Gold 99 % seines Wertes verloren. Das heißt also, dass Gold relativ zum Peso in diesem Jahrhundert um das 119-fache gestiegen ist.

Schauen wir uns jetzt noch das perfekte Beispiel für eine desaströs gemanagte, sozialistische Wirtschaft mit einer daraus resultierenden Hyperinflation an. Ich spreche natürlich von Venezuela. Der Venezolanische Bolivar hat seit Januar 2000 gegenüber Gold 99,999 % seines Wertes verloren. In diesem Jahrhundert hat der Bolivar also um das 550.000-fache gegenüber Gold abgewertet.

HYPERINFLATION

Das mag alles unwirklich klingen. Diese drei Währungen haben in nur 18 Jahren zwischen 97 % und 99,999 % ihres Wertes verloren. Für die dort lebenden Menschen ist all das keinesfalls unwirklich: Sie leiden unter den abgrundtiefen Wertverlusten ihres Geldes und den desaströsen Einbrüchen ihrer Lebensstandards.

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Und glauben Sie nicht eine Sekunde daran, dass diese Regierungen ihren Bürgern auch nur einmal rieten, sich abzusichern – auch dann nicht, als ihnen klar war, dass unbegrenzte Geldmengen gedruckt werden würden. Nein, für die Menschen gab keine Vorwarnung. Dasselbe gilt heute für alle westlichen Länder. Die Regierungen in Europa, den USA und Japan (um nur einige zu nennen) sind schon seit den 2000er-Jahren dabei, ihre Währungen zu zerstören. Wie die Tabelle zeigt, hat der Euro relativ zum Gold seit 2000 um 75 % abgewertet, der Dollar um 78 % und der Yen um 79 %.

Also: Die Inflation, die zur Hyperinflation führen wird, ist im Westen schon auf dem Weg. Es beginnt immer erst langsam, obgleich der Wertverlust der letzten 18 Jahren schon erheblich gewesen ist. Wir werden dasselbe in der EU erleben, wir werden es in den USA erleben, und wir werden es in Japan erleben.

AUF DEM WEG ZUR HYPERINFLATION

Doch keine Regierung redet darüber, wie sie die eigene Währung zerstört. Und keine westliche Regierung erzählt ihrem Volk, wie man sich durch Goldbesitz davor schützt. Ganz im Gegenteil. Sie manipulieren den Goldpreis und betrachten Gold als barbarisches Relikt, das in einem modernen Währungssystem keinen Platz hat. Wir wissen natürlich, warum sie das machen: Weil Gold nicht gedruckt oder entwertet werten kann. Zudem offenbart der Goldpreis ihr betrügerisches Vorgehen beim Ruinieren der Währung und der Wirtschaft.

DER OSTEN KAUFT DIE GESAMTE GOLD-JAHRESPRODUKTION

Schauen wir uns abschließend zwei Länder an, die Gold verstehen und deren Bevölkerung Gold in beträchtlichen Mengen kauft und hält.

Wie der Chart oben zeigt, haben China und Indien seit 2008 fast 25.000 Tonnen Gold gekauft. Durchschnittlich kauften sie damit den überwiegenden Teil der jährlichen Goldminenproduktion auf – zusammen mit Russland und der Türkei.

ENTWERTUNG DER WESTLICHEN WÄHRUNGEN WIRD ZUR HYPERINFLATION FÜHREN

Mein Ratschlag für Anleger ist also folgender: Lernen Sie aus den jüngsten Wirtschaftsproblemen /-katastrophen in der Türkei, Argentinien und Venezuela. Persönlicher Goldbesitz, selbst ganz geringer, hätte die Besitzer in diesen Ländern vor der Misere gerettet. Jetzt ist es also entscheidend, die deutlichen Indikatoren ernst zu nehmen, die uns vor schweren Problemen in Europa, Japan und den USA warnen. Ein 75-79%iger Währungswertverlust in diesen Ländern sagt uns, dass dieser in den nächsten Jahren bis zum intrinsischen Wert von NULL fortschreiten wird. Dies wird am Ende zur gleichen Hyperinflation führen, wie wir sie in Argentinien und Venezuela jetzt sehen.

Und sogar noch wichtiger ist:

IGNORIEREN SIE DIE PROPAGANDA DER WESTLICHEN STAATEN UND BANKEN, DIE WEDER GESCHICHTE NOCH GOLD VERSTEHEN. FOLGEN SIE STATTDESSEN DEM VORBILD CHINAS UND INDIENS UND SCHÜTZEN SIE SICH GEGEN DIE KOMMENDE ZERSTÖRUNG DES PAPIERGELDES DURCH PHYSISCHES GOLD UND ETWAS SILBER.



Egon von Greyerz
Gründer und Managing Partner
Matterhorn Asset Management
Zürich, Schweiz
Telefon: +41 44 213 62 45

Matterhorn Asset Management lagert strategisch einen bedeutenden Teil ihres Vermögens in der Schweiz in physischem Gold und Silber ausserhalb des Bankensystems. Wir freuen uns, unserer hochgeachteten Kundschaft aus über 55 Ländern einen einzigartigen und hervorragenden Service zur Verfügung zu stellen


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