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VERRÜCKTHEIT DER MASSEN, GOLDES VERNUNFT

von Matthew Piepenburg

Partner

Der Artikel dieser Woche stammt von Matt Piepenburg – Kommerzdirektor bei MAM.

Massen sind, ganz wie Schafe, nur so sicher, wie die Hirten, von denen sie geführt werden.

Und heute führen Zentralbanker-Hirten den überwiegenden Teil der Investoren direkt in den Währungsabgrund. Das ist unschwer vorherzusagen, selbst wenn die meisten Prognosemodelle miserabel und stark fehlerbehaftet sind.

Wenn Vorhersagemodelle scheitern

Was immer man auch von jüngsten Präsidentschaftswahlen in den USA halten mag, über Folgendes dürfte Einigkeit herrschen: Die professionellen Demoskopen mit ihren fortgeschrittenen Algorithmen lagen mit der „blauen Welle“ auf den Wahlprognosebildern bzw. bei der Vorhersage eines überdeutlichen Wahlsiegs der Demokraten ganz einfach …

falsch!

Seien es Sterblichkeitsraten bei Virusinfektionen, politische Wahlergebnisse, BIP-Wachstum, Budgets, Steuereinnahmen oder eben Markttrends – bei der Bestimmung selbst kurzfristiger Entwicklungen schneiden die Experten und ihre Analytiker immer wieder schlecht ab.

So prognostizierte beispielsweise die Weltbank für 2021 einen Anstieg des globalen BIP um 4 %, trotz aller bisherigen Schäden, die die COVID-Lockdowns in den verschiedenen globalen Ökonomien schon angerichtet haben.

Eben jene Weltbank musste genauso eingestehen, dass sich die globalen Schuldenstände inzwischen auf ganze 260 Billionen $ aufsummiert haben. Das heißt auch, dass die globale Schuldenstandsquote (Schulden:BIP) jetzt bei über 3:1 liegt. Und das rückt diese Wachstumsprognose ganz klar in den Bereich des Komischen.

Nachrichten von der Zentralbank Fantasievorstellungen

Auch Zentralbanken, die Geld aus dem Nichts schöpfen, um damit verschmähte Staatsschulden aufzukaufen, planen an wundersamen Lösungen für im Grunde niederschmetternde Schuldenprobleme. Und zwar mittels – ja, Sie ahnen es schon – noch mehr Geldschöpfung!

Doch wie lassen sich diese Schulden jemals bezahlen? Kein Problem – mit dem Geld, das die nächste Zentralbank per Mausklick einfach so erschafft.

All das ist vielleicht doch ein bisschen zu schön, um wahr zu sein, oder? Mit Blick auf die Zukunft der Wirtschaft…

Die Erfolgsbilanz der US-Fed bei Rezessionsvorhersagen liegt zumindest bei 0 von 10 Punkten. Doch das hält sie nicht davon ab, weiterhin fehlerhafte und widersprüchliche Hochrechnungen anzustellen, die teils schon wahnsinnige Züge haben.

Sie werden in Ihrem Leben keine weitere Finanzkrise mehr erleben.“
-Janet Yellen,
Herbst 2018

Ich mache mir keine Sorgen, dass es eine weitere Finanzkrise geben könnte. „
-Janet Yellen,
Herbst 2018

Es gibt keinen Grund zu denken, dieser [bullische] Zyklus könnte nicht noch eine ganze Weile – praktisch sogar unendlich lange – weitergehen.
-Jerome Powell –2018

Die USA befinden sich auf einem unhaltbaren fiskalischen Kurs; das lässt sich kaum leugnen.“

Jerome Powell–2019

In der „neuen Abnormalität“ nach 2008 – geprägt von schmerzfreien Defiziten sowie peinlichen neuen Theorien, denen zufolge ungebremste Geldschöpfung niemals zu Inflation führt – waren die Fantasie-Prognostiker schwer damit beschäftigt, Vernunft durch Wahnsinn zu ersetzen.

Das Ende vorhersagen?

Doch lassen sich wirtschaftliche Entwicklungen oder kurzfristige Kursbewegungen an den Märkten tatsächlich besser prognostizieren als per Münzwurf?

Meine Antwort darauf ist ein klares „Ja“, und ein klares „Nein“.

Warum?

Es gibt schließlich Dinge, denen man einfach vertrauen kann, wie beispielsweise den komplexen Bewegungen einer Schweizer Uhr; und das macht sie vorhersagbar. Für andere Phänomene gilt das wiederum nicht, wie etwa für die Verrücktheit von Massen oder aber die Neigung, lieber im Reich der Fantasie leben zu wollen.

Vertrauen kann nicht vorhergesagt werden.

Die überwiegende Mehrheit der Investoren hat beispielsweise ein fast blindes Vertrauen in Zentralbanken, die in beeindruckenden Gebäuden untergebracht sind und von originellen Typen geleitet werden.

Dieses Vertrauen, wie auch dessen Verlust, zu messen, ist schwerer als die Reparatur einer Rolex. Auch die genaue zeitliche Eingrenzung oder das „Timing“ von Vertrauen ist unmöglich. Selbst dann nicht, wenn die objektive Indizienlage längst nahelegt, dass Expertenansichten zunehmend vom Wahnsinn geprägt sind.

Seit 2009 haben Zentralbanken und politische Entscheidungsträger ökonomische Schönfärberei betrieben mithilfe von künstlichem Geld, das für den Aufkauf verschmähter Anleihen eingesetzt wurde. Das Endergebnis wird dann als Produkt von „Freimarkt-Kapitalismus“ ausgewiesen, oder schlimmer noch, als wirtschaftliche „Erholung“.

Die Ausblendung solcher Verrücktheiten zugunsten von blindem Vertrauen ist dann schon wieder eine eigene Form von Wahnsinn. Und Wahnvorstellungen verbreiten sich, wie auch COVID-19, am besten in Massen.

Der größte Teil der heutigen Welt ist finanziell verrückt geworden; und die meisten sind sich dessen nicht einmal ansatzweise bewusst.

Einige Marktkräfte sind vorhersagbar

Informierte Investoren – aber auch Menschen mit ausgeprägtem Interesse für Geschichte, Mathematik und gesundem Menschenverstand – bewegen sich seit langem jenseits der Massen.

Sie akzeptieren, dass Marktgesetze, so wie die Gesetze der Physik, in der Tat recht vorhersagbar sind.

Als Beispiel dazu: In der Geschichte von Nationen, Märkten und Börsen ist es keinem einzigen Imperium, System oder Markt jemals gelungen, einen Zusammenbruch von Wirtschaft, Währung oder Markt durch das Drucken von tonnenweise Falschgeld abzuwenden.

Noch kein einziges Mal.

Die Österreichische Wirtschaftsschule hat (im Gegensatz zum übertriebenen, keynesianischen Schuldenwahn) schon vor längerem verstanden, dass schuldengestützte ökonomische „Party-Phasen“ immer auch mit einem brutalen Kater enden, der durch eben diese Schulden verursacht wurde.

So wie Physiker vor eine ganzen Weile zur Einsicht kamen, dass es für jede Aktion eine gleichstarke, entgegen gerichtete Reaktion gibt (Wechselwirkungsprinzip), so verstand von Mises, dass es bei den Marktkräften nicht anders ist.

Für jeden Schuldenanstieg gibt es, auf der anderen Seite, einen äquivalenten Schuldenabfall.

Die heutige Weltwirtschaft stützt sich auf die mit Abstand größten Schuldenstände, die jemals in der Geschichte der Kapitalmärkte verzeichnet wurden. Wäre es also, in Anbetracht dieser Tatsache, vermessen, einen krassen Tag der Abrechnung für unsere globalen Märkte, Wirtschaften und Währungen zu „prognostizieren“?

Oder in den unverblümt warnenden Worten von Mises:

„Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion, oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.”

Die kurze Antwort lautet daher: Ja, einige Dinge sind vorhersehbar. 1+1 ist immer noch 2, und schuldenbasierte „Wirtschaftserholungen“ scheitern immer – und mit ihnen die jeweiligen aufgeblähten Währungen.

Solcher nüchternen Fakten zum Trotz setzen MMT-Anhänger aber auch Politiker und Zentralbanker von Japan bis Amerika derzeit alles daran, die Fantasievorstellung zu verbreiten, dass solche Abrechnungsprozesse (Inflation eingeschlossen) mittels Geldschöpfung quasi „ungesetzlich“ gemacht werden können.

Liebe Leute: Das ist, um es auf ein Wort zu bringen – Wahnsinn!

Solche Kurzzeit-Fantasien sind auch der Grund, warum die Ökonomien direkt vor unseren Augen auf Tauchstation gehen, während weltweit die Aktienmärkte (die in den Genuss künstlich niedrigverzinster Schuldenrefinanzierung kommen) neue Höchststände anpeilen.

Diese Markthochs weisen eine wie folgt darstellbare Korrelation zur globalen Geldschöpfung auf:

Geschöpfte Giralgeldwährungen werden eingesetzt, um die Anleihekurse derart in die Höhe zutreiben, dass die Anleihezinsen (die sich invers dazu bewegen) derart schlimm verzerrt wurden, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte der Märkte auf der ganzen Welt negativ verzinste Anleihen sehen. Das sieht folgendermaßen aus:

Und auch das ist…sagen wir, wie es ist…Wahnsinn.

Solche objektiven Diagramme sind niederschmetternd; sie sollten jedem noch vernünftigen Beobachter der globalen Marktentwicklungen als Warnung dienen.

Andere Ansichten tragen, um ehrlich zu sein, schon den Beigeschmack von Wahnsinn…

Doch wie Mark Twain uns schon warnte, den Massen ist eine Wunschvorstellung häufig lieber als harte Fakten, weshalb sie sich leicht täuschen lassen.

Und deshalb hören die ökonomischen Entscheidungsträger auch nicht auf, die große Schafherde zur Klippe der unhaltbaren Schuldenlast zu führen; bezahlt wird in verwässerten Währungen und die zerstören das hart verdiente Vermögen der Massen.

Die inhärente Kaufkraft aller großen Währungen sackt mit jeder Sekunde in den Keller, wenn man zeitlose Maßstäbe wie den Wert des Goldes ansetzt.

Das folgende Diagramm ist das vielleicht wichtigste, dass Sie je zu Gesicht bekommen werden:

Kurz: Die globalen Währungen gehören zu den ersten fallenden Dominosteinen in einer künstlichen Weltwirtschaft, die von grotesk hohen Schuldenständen getragen wird. Diese Schulden müssen durch ebenso grotesk hohe Giralgeldschöpfung bedient werden.

Auf den Fall der Währungen folgt unvermeidlich der Fall der betreffenden Ökonomien und Märkte. Das historische Heilmittel für einen derartigen Währungswahn ist Gold, das keineswegs das „barbarische Relikt“ aus vergangenen Zeiten, sondern eine zeitlose Lösung für die Zukunft ist.

Wie gesagt: All das ist vorhersehbar. Und auch vorhersagbar.

Solche Zeugnisse zur Kenntnis zu nehmen, um dann den Kopf in den Sand zu stecken – ist eine Form von Wahnsinn. Die Beweise zu ignorieren, oder schlimmer noch, sie zu verstecken oder herunterzuspielen, ist noch viel mehr zum Verrücktwerden.

Die meisten „Finanzjournalisten“ haben zum Beispiel eher Marketing als die Märkte studiert und dürften wohl kaum vertrauenswürdige „Alarmglocken“ sein.

Sie verstehen sich auf Click-Baiting und Suchbegriffe; sie leisten ihre Recherchearbeit in der Google-Suchleiste ab anstatt mit einem grundlegenden Verständnis ökonomischer Kräfte gerüstet zu sein.

Nicht einer von 10 Investoren (oder einer von 100 Durchschnittsjournalisten) hat je einen Moment innegehalten, um simple Charts, wie die oben gezeigten, zu überdenken.

Und das erklärt leider Gottes auch die Verbreitung solcher Fantasien und der Verrücktheit von Massen, die ihre Währungen, Aktien und Anleihen bei den Experten in sicheren Händen wähnen.

Leute, diese Experten sind Papiertiger und keine Finanzlöwen. Vorerst bleibt das verrückte Vertrauen in die Wahnsinnsentscheidungen dieser Menschen jedoch bestehen.

Das Unmögliche im Blick behalten & Auf das Unvermeidliche vorbereitet sein

Doch wie lange noch?

Wer versucht, menschliche Emotionen (blindes Vertrauen oder sogar Kollektivwahn) zeitlich einzugrenzen, ist schon auf dem Irrweg.

Das emotionale Element der Weltwirtschaft ist zu komplex für einfache Modellbildung; und aktuell traut die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer generell noch den „Experten“ – und speziell den Zentralbanken in ihrer Retterrolle.

Beruhigende Ansprachen des FOMC (Offenmarktausschuss der Fed) und die leeren Schlagzeilen der „Sell-Side“ über Technologieaktien haben grundlegende Wirtschaftslehren, Mathematik und Geschichte ersetzt.

Oder einfach gesagt: Einbildung hat Bildung und Fakten ersetzt.

Weder ich noch Sie kennen das genaue Verfallsdatum dieses irregeleiteten und trotzdem vergänglichen Vertrauens in Falschgeld, das benutzt wird, um rekordhohe Schuldenstände und historisch einmalige Vermögensblasen zu finanzieren.

Allerdings können die Geschichte und die natürlichen Marktkräfte bestätigen, dass das Vertrauen dann endet, wenn die Währungen ihren Wert verlieren und die wahnhafte Massen-Fantasterei einer wilden Meute bankrotter Investoren weicht.

Wer sich lieber mit Fakten auseinandersetzt anstatt Fantasien nachzuhängen, kann sich auf eine Wiederkunft von Geschichte und Mathematik vorbereiten, ohne sich Gedanken um präzises „Timing“ des unvermeidlich Kommenden machen zu müssen.

In diesem Sinne: Edelmetalle sind seit jeher das historische Heilmittel, auch in der aktuellen Welle politischen Wahnsinns.

About Matthew Piepenburg
Matthew Piepenburg begann seine Finanzkarriere als Wirtschaftsjurist. Während der NASDQ-Bubble (1999 – 2001) gründete er seinen ersten Hedgefonds. Im Anschluss daran richtete er seinen eigenen sowie andere HNW-Family-Funds auf alternative Investments aus. Zeitgleich agierte er als allgemeiner Berater, CIO und später Geschäftsführer einer Single- und Multi-Family-Office. Matthew arbeitete zudem eng... Mehr…

Matthew Piepenburg
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