Warum Gold steigen wird: Das Finanzsystem hat sich verändert

Ungeachtet der jüngsten, massiven Kursvolatilität wird Gold steigen.

Der Perfekte Sturm für Gold

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich einen Artikel darüber geschrieben, warum Gold nicht stieg.

Ich hatte es damals geschrieben und wiederhole es erneut: Die früheren, gähnenden Kursbewegungen beim Gold – in einem ansonsten idealen Umfeld aus Inflation und negativer Realverzinsung – waren nur eine momentane Ruhe vor dem Sturm.

Mit anderen Worten: Der Aufstieg beim Gold– sein perfekter Sturm – war schon im Kommen.

Dieser Sturm sammelt nun Kraft, und Gold wird steigen, aber nicht kerzengerade.

Trotz unvermeidlicher (und extremer) Volatilität (forciert durch Krieg und Inflation) sowie legalisierter Preisabsprachen (darunter auch Tageskursbewegungen von 100 $) an den zunehmend in Verruf geratenen COMEX-Papiermärkten wird Gold weiter steigen, während die Verbraucherpreisinflation in den USA schon bei 7,9 % steht.

Auf kürzere Sicht werden die Goldkurse eher schwanken – und zwar abhängig davon, ob die Spannungen in der Ukraine weiter eskalieren oder nachlassen.

Wie ich im Verlauf des Artikels erklären werde, haben die finanziellen Reaktionen des Westens auf die Ukrainekrise just einen Wandel des globalen Systems bewirkt – den aber niemand bemerkt hat. Längerfristig sind das aber extrem gute Zeichen für Gold und dessen Anstiegspotential.

Doch vorab: Was man Jeff Currie von Goldman Sachs lassen muss

Sich über Goldman Sachs lustig zu machen, fällt nicht schwer (ich habe es in der Vergangenheit selbst gemacht; Entschuldigung auch an meine Tochter). Ich gebe aber auch gerne Folgendes zu: Goldman Sachs’ globaler Chef der Rohstoff-Research-Abteilung, Jeff Currie, hat korrekterweise auf Entwicklungen hingewiesen, die er selbst als „den perfekten Sturm für Gold“ bezeichnet.

Gemeint ist das nahezu perfekte Zusammentreffen von drei ganz entscheidenden Goldangebotskräften (oder „Wetterfronten“), die aktuell in Bewegung sind.

Die erste dieser Wetterfronten ist die wachsende (und auf Inflations-/ Rezessionsängsten basierende) Kleinanlegernachfrage nach Gold. Das ETF-Handelsvolumen zieht mit aller Kraft nordwärts und könnte durchaus um weitere 600 Tonnen ansteigen.

Eine andere Wetterfront entsteht mit den Goldankäufen der Zentralbanken. Seit Jahresbeginn sind sie schon um 750 Tonnen gestiegen und markieren damit einen Allzeitrekord.

China und die Türkei kaufen beispielsweise Gold, um, wen überrascht es, um sich vom Dollar unabhängig zu machen (Dedollarisierung, siehe unten), während andere Nationen, wie Brasilien und Indien, Gold aus Gründen der Diversifikation kaufen.

Die dritte und letzte Wetterfront ist die rapide steigende Nachfrage nach physischem Gold, führend hier in erster Linie China und Indien; aber auch Russland sollte hier nicht ausgelassen werden, egal, was man davon hält…

Alle drei Goldkanäle (Privatinvestoren, Zentralbanken und physische Märkte) sind objektiv so stark, wie sie nie zuvor gewesen sind, stärker sogar als 2010-2011, als Gold um 70 % stieg.

Goldman Sachs’ Preisziel für Gold liegt aktuell bei 2.500 $.

Wir denken, dass es viel höher gehen wird…

Warum?

Ganz egal, was man von Putin, Russland, den absoluten Schrecken des Krieges, dem Durcheinander der Schlagzeilen oder der Weisheit des Westens halten mag: Die EU und Uncle Sam haben sich selbst und dem globalen Finanzsystem ins gemeinsame Knie geschossen – und niemand scheint Notiz davon zu nehmen.

Finanzwesen als Waffe – Einmal entsichert, ist Vorsicht geboten

Ungeachtet der Tatsache, dass Putin den Westen seit acht Jahren gewarnt hat, die Ukraine solle der NATO fernbleiben (und zwar mit demselben Nachdruck wie Kennedy die Sowjets warnte, sie sollten ihre Raketen von Kuba fernhalten), scheint der Westen irgendwie geschockt, dass brillante „Staatsmänner“ wie Kamala Harris nicht schneller denken konnten als Putin…

Obgleich fast jeder Vertreter des US-Außenministeriums seit den späten 1990ern davor warnt, dass ein NATO-Beitritt der Ukraine Selbstmord wäre, täuscht der Westen heute Bestürzung vor.

Anstatt die Ukraine-NATO-Allianz (in der Post-Stalin-Ära fast so überflüssig wie ein Telefon mit Wählscheibe) auf diplomatischem Weg anzugehen, landete die Vizepräsidentin (die eher aus optischen Gründen als der Erfahrung wegen ausgewählt wurde) persönlich in Europa und verdoppelte trotz schlechter NATO-Karten noch einmal die Wettsumme (wobei sie auch ein sehr peinliches Verständnis von europäischer Geographie zeigte).

Anstatt eines Kompromisses folgte anschließend schnell Krieg.

Doch anderes als beim Irak, Syrien, Libyen oder selbst Afghanistan (wo das Hoch-Pokern zum monumentalen Misserfolg wurde), haben sich die großen Denker des Westens jetzt für ein Angsthasenspiel mit einer Atommacht entschieden, was die Dinge, naja, irgendwie komplizierter macht, oder?

Da sich konventionelle Stellvertreterkriege mit einem nuklearen Gegner nicht so leicht führen lassen, blieb dem Westen, nachdem es (nach Putins Vorwarnungen) zur unausweichlichen Invasion der Ukraine gekommen war, nur noch eine gangbare Lösung – nämlich das Finanzwesen zur Waffe zu machen, anstatt mit roten Nuklearknöpfen zu liebäugeln.

Doch wie jeder, der sich mit Waffen auskennt, weiß: Sobald entsichert wird, entstehen unvorhergesehen Risiken.

Die vom Westen eingesetzten Finanzwaffen haben gefährliche Konsequenzen, doch kaum jemand, der sich den leitmedialen Einheitsbrei täglich einverleibt, weiß das.

Fakt ist: Während die meisten nicht hinschauen, ist das gesamte Finanzsystem der letzten 4 Jahrzehnte (d.h. Globalisierung, künstliche Anleihemarkt-Hausse und manipulierte Disinflation) gerade eben gestorben und wird in Kürze durch eine multipolare, auf mehreren Währungen basierende, neue inflationäre Welt ersetzt werden. Und all das verweist auf einen nennenswerten Anstieg der Goldpreise.

Wie kam es dazu?

Gut, lassen wir Politik, COMEX und Standardschlagzeilen beiseite und schauen wir uns die kalte Wirklichkeit genauer an.

Den Auslöser, den niemand sieht

Als Inhaber der Weltreservewährung und des allmächtigen USD war Washington jahrelang in der Lage gewesen, relativ ungestraft Inflation zu exportieren und die Kleineren, wie den Iran und Venezuela, mit allen möglichen cleveren Finanzsanktionen zu gängeln.

Wer aber anfängt, Russland (und indirekt China) auf den Schwanz zu treten, indem Devisenreserven eingefroren werden, entfesselt eine Welt im Aufruhr und einen Dominoeffekt der unbeabsichtigten (nicht offensichtlichen) Konsequenzen, die viel zu komplex sind, um von NYT- oder CNN-Finanzjournalisten in ihren 30igern verstanden zu werden.

Wie USA und EU vor kurzem unerschrocken verkündeten – mit all den Drohgebärden, die jemand macht, der mit dem Messer zum Schusswaffenkampf anrückt –, können Staatsschulden, die außerhalb der eigenen Staatsgrenzen gehalten werden (7-8 Billionen $) von Uncle Sam und Tante Marianne (d.h. der EU) eingezogen werden.

Derart verwegenes Finanzsäbelrasseln ist beeindruckend; doch indem Staatsschulden als Devisenreserve komplett diskreditiert werden, geben die USA und die EU Russland (und der Welt) im Grunde zu verstehen, dass sie das Finanzsystem der Nachkriegszeit gerade aufgeben – was auch bedeutet, dass Sie mehr Gold kaufen sollten…

Solche, in ihrer Tragweite vom Westen zutiefst verkannten Schritte zwingen nun Russland (und bald auch China), das zu tun, wofür sie sich in den letzten 10 Jahren stark gemacht haben – sprich: das globale Finanzsystem in Richtung einer neutralen Reserveanlage (Gold) zu treiben, die gegenüber allen Währungen flexibel im Preis schwankt (floatet).

Wenn der Westen heute Russlands Fremdwährungsreserven (d.h. die akkumulierten Handelsersparnisse des Landes) einfrieren kann, dann weiß China im Grunde schon, dass der Westen morgen dasselbe tun kann und wird, falls China beispielsweise einen Blick auf Taiwan wirft…

Und nein: Ich bin damit nicht „Pro-Putin“ oder „Pro-China“ – sondern nur für Offenheit.

Selbst wenn der schreckliche Krieg in der Ukraine deeskaliert, die extremen Finanzreaktionen des Westen seit Ende Februar werden niemals vergessen werden. Die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los.

Auch die Entscheidung der Schweiz, die jahrhundertealte Neutralität aufzugeben, um sich den „woken“ (d.h. unter US-Druck bewirkten) Sanktionen gegen Russland anzuschließen, wirkt im Grunde wie ein riesiges Leuchtreklameschild auf der Spitze des Matterhorn mit der Aufschrift: „Kaufen Sie keine CHF, kaufen Sie Gold.“

Kurz: Die Finanzwelt ist jetzt eine andere; ein Zurück gibt es nicht mehr.

Schauen wir uns an, warum das so ist.

Dedollarisierung schneidet letztlich dem Westen ins Fleisch

Jetzt muss sich Russland, und bald auch China, mit SWIFT-Alternativen auseinandersetzen, die nicht nur die globalen Systeme für Zahlungsabwicklung verändern werden, sondern auch den globalen Reservestatus des US-Dollars unterminieren, was…na ja…auch keine Kleinigkeit ist…

Das ist nicht allein meine/ unsere bescheidene Meinung; auch Citadels Hauptgeschäftsführer und Jamie Dimon von JP Morgan haben dahingehend gewarnt.

Das heißt also: Der Westen hat soeben Russland noch weiter in die Arme Chinas getrieben, und das nicht nur in einer Hinsicht.

Anstatt beispielsweise bei Softwarelösungen nach Nordkalifornien zu schauen, wird Russland jetzt in China danach suchen.

Wenn der USD weniger „global“, weniger „Reserve“ aber auch weniger „Währung“ wird, dann hat das deutlich schwerwiegendere Folgen, wie Dimon warnend anmerkte.

Dimons Sorgen wurden zudem von Präsident Bidens ehemaligem Boss geteilt; Präsident Obama warnte im August 2015 sehr genau vor den „unbeabsichtigten Konsequenzen“ eines SWIFT-/Finanzkrieges:

„Wir können nicht jeder großen Macht der Welt die eigene Außen-, Wirtschafts- und Energiepolitik diktieren. Allein der Versuch würde dazu führen, dass wir beispielsweise einige der größten Banken der Welt sanktionieren müssten. Wir würden dann Länder wie China vom amerikanischen Finanzsystem abschneiden müssen.

Da diese Länder auch noch wichtige Käufer unserer Schulden sind, würden solche Schritte schwere Störungen unserer eigenen Wirtschaft erzeugen und im Übrigen auch internationale Fragen zur Funktion des Dollars als Weltreservewährung aufwerfen. Das ist zum Teil auch der Grund, warum viele der früheren, einseitigen Sanktionen aufgegeben wurden. ”

Kurz: Irgendwann zwischen 2015 und heute ging es steil bergab mit dem Common Sense, der Führerschaft und den Handlungsoptionen Amerikas.

Doch auch woanders wird es bald steil bergab gehen – und zwar für die amerikanische Wirtschaft im Allgemeinen und die Märkte im Besonderen.

Wollen Sie wissen, warum?

Die FED – Durchknallen als letzter Ausweg

Dramatische Worte allein reichen nicht, also halten wir uns an die dramatischen Fakten und werfen einen kurzen Blick auf einen schlichten Chart, der die beschämende Bilanzsumme der Federal Reserve abbildet…

Obgleich die überwältigende Repo-Krise von September 2019 in Medien und Schlagzeilen als kleine „Panne bei Installationsarbeiten“ abgetan wurde, so war sie in Wirklichkeit ein grell leuchtenden Warnschild für eine drohende/ sich zusammenbrauende Kredit- und (folglich) Finanzkrise.

Als die Geschäftsbanken im Herbst 2019 mit der schockierenden Aussicht auf einen steigenden USD sowie steigende (d.h. unbezahlbare) Zinssätze konfrontiert waren, hörten sie auf, den gegenseitigen Schuldensicherheiten für Übernachtkredite zu vertrauen.

Wie erwartet, sprang die Fed als Kreditgeber der letzten Instanz ein und schuf per Mausklick aus dem Nichts hunderte Milliarden Dollar pro Monat, um Banken, die die Fed damals 1913 gegründet hatten, mit Kreditlinien abzusichern.

Die erfolgte Geldschöpfung erklärt auch die parabolische (und fatale) Aufwärtsbewegung, die sich rechts im Diagramm abzeichnet.

Das heißt nur: Die Fed musste Geld herstellen, um die eigenen Staatsanleihen anzukaufen, die ausländische Käufe nicht mehr haben wollten.

Was aber heute kaum noch jemand erkennt: Das Problem der US-Notenbank mit den ansonsten unbeliebten und ungewollten US-Schuldscheinen von 2019 hat sich nun exponentiell verschärft.

Genauer gesagt: Die jüngsten Maßnahmen der USA und der EU zur Einfrierung russischer Devisenreserven wegen Abweichung von der westlichen Linie geben dem Rest der Welt (z.B. China) unterschwellig zu verstehen, dass US-Staatsanleihen nicht zu trauen ist.

Eigentlich selbstverständlich: Wenn die US-Staatsanleihe heute das hässlichste Mädchen im globalen Tanzsaal ist, wer sollte sie dann noch kaufen, und überhaupt mit welchem Geld?

Die traurige Antwort ist simpel: Die Fed wird sie kaufen mit immer stärker entwertetem Geld, das aus dem Nichts stammt.

Durchgeknallt?

Jupp.

Rezession und steigende Fremdkapitalquoten im Anmarsch – Wird auch Gold steigen?

Angesichts der traurigen aber medial ignorierten Tatsache, dass die Vereinigten Staaten (mit einer Schuldenstandsquote von 122 %) praktisch bankrott sind, aber wie ein Teenager mit Vatis Amex-Card auf Shoppingtour sind (Wink an meinen Sohn), lässt die zukünftigen Entwicklungen und politischen Entscheidungen leicht erahnen.

Man kann sich durchaus fragen, wie genau die USA die Kosten für Leistungsansprüche, Verteidigung und Ausgaben des US-Finanzministeriums finanzieren wollen.

In wenigen Worten: Woher wird dieses Geld kommen?

Wird Uncle Sam die Ausgaben kürzen?

Da die US-Staatsausgaben im Verhältnis zum nationalen BIP 25 % ausmachen, werden Ausgabenkürzungen zu einer Rezession in den USA führen. Aus dem einfachen Grund, dass solche Kürzungen einen Anstieg der Anleiheerträge und Zinssätze bewirken und folglich Verluste bei Anleihe- und Aktienkursen bringen.

Können die USA nicht die Steuern erhöhen? Auch das würde nur das Wirtschaftswachstum weiter verlangsamen und eine Rezession begünstigen.

Kann die Fed die Zinssätze erhöhen, um Uncle Sams Defizite zu finanzieren?

Nein, denn der Kneipendeckel der Nation ist schon zu voll, um steigende Zinsen verkraften zu können – und auch das löst eine Rezession aus, und eine Schuldenkrise.

Was kann Uncle Sam also tun?

Als Realisten [in Abgrenzung zu bezahlten (d.h. zensierten) Journalisten] sehen wir hier nur noch ein oder zwei naheliegende aber auch traurige Optionen für die Zukunft, und jede von ihnen liefert klare Argumente für steigende Goldkurse.

Erstens wird die Fed wahrscheinlich die SLR (Supplementary Leverage Ratios, US-Verschuldungsquoten gemäß Basel III) aufheben, die zuvor den Geschäftsbanken auferlegt worden waren.

Auf gut Deutsch heißt das: Den Banken wird erlaubt, die Fremdkapitalquoten zu erhöhen, um systemintern und gebührenfrei US-Staatsschulden anzukaufen.

Ein Schocker ist das nicht.

Wie wir an anderer Stelle geschrieben hatten, ist der Staat bei Kreditgeschäften der Geschäftsbanken längst als Garant im Spiel. Unterm Strich bedeutet das nur: höhere Verschuldungsquoten, mehr Schulden, mehr Risiko und verstärkt autokratische (nicht aber natürliche) Märkte.

Darüber hinaus ist mit mehr QE zu rechnen, was auch bedeutet, dass der inhärente Wert (in Abgrenzung zur relativen Stärke) des USD, wie auch aller anderen Fiat-Währungen, mit jeder inflationären Sekunde, Minute und Stunde schwächer wird.

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