ZEITEN ÄNDERN SICH – DOCH GOLD IST BESTÄNDIG

Januar 18, 2019
von Egon von Greyerz
Original in Englisch vom Freitag, 11 Januar, 2019

Langfristige Goldeigentümer haben eine andere Sicht auf die Welt. Sie glauben nicht an sofortige Belohnung. Sie glauben ebenfalls nicht, dass in einer Welt, die auf Geldschöpfung und Schulden gründet, nachhaltiges und dauerhaftes Vermögen geschaffen werden kann. Sie sind sich zudem bewusst, dass der Sozialismus, der sich in der westlichen Welt wie eine Plage verbreitet hat, nur solange funktioniert, bis das Geld anderer Menschen aufgebraucht ist.

Es ist die Beständigkeit, die Gold zum naheliegendsten Vermögensschutzinvestment macht und zur Versicherung gegen ein falsches Finanzsystem. Dafür gibt es einen unstrittigen Beweis: Gold ist das einzige Geld, dass 5.000 Jahre lang überlebt hat. Kurzlebige Finanzsysteme und Währungen kommen und gehen, und so auch Imperien. Gold aber überlebt sie alle. Wie JP Morgan sagte: „Geld ist Gold, und nichts sonst.“

WARUM GEGEN 5.000 JAHRE ERFOLG SETZEN?

Alle, die Gold nicht verstehen, befassen sich entweder nicht mit Geschichte oder verstehen sie nicht. Gold umgibt kein Zauber, es ist einfach nur echtes Geld. Warum also gegen die 5.000-jährige Geschichte von Gold setzen, wenn es doch das einzige Geld ist, das bislang überlebt hat? Gold ist keine Investition, es ist ein Wertspeicher und von Zeit zu Zeit auch Tauschmittel.

Es ist schon ziemlich verblüffend, dass die immensen Reichtümer, die in den vergangenen Jahrzehnten vom obersten 1 % akkumuliert wurden, im Grunde auf Alchemie und Falschgeld basieren. Seit Beginn der achtziger Jahre wurde eben ein Schein-Goldenes Kalb verehrt. Seit dieser Zeit verlor echtes Geld, oder Gold, vollkommen an Attraktivität, während Finanzanlagen bis zur Schmerzgrenze gehebelt wurden. Doch Anfang der 2000er änderten sich die Dinge wieder.

GOLD SCHNITT IN DIESEM JAHRHUNDERT BESSER AB ALS ALLE ASSET-KLASSEN

In Zeiten von Finanzhexerei, und in denen leben wir seit der Gründung der Fed 1913, mag Gold vielleicht als barbarisches Relikt erscheinen und auch deutlich uninteressanter sein als das Hebeln von Finanzanlagen mittels Kredit. Nur wenige Investoren erkennen, dass die Investment-Märkte, effektiv betrachtet, im Jahr 1999 ihren Höhepunkt erreicht haben. Da für eine effektive Messung niemals Fiat-Geld herangezogen werden kann, kommt nur noch echtes und dauerhaftes Geld als Maßstab in Frage. Und das ist natürlich Gold.

Ein Blick auf das Dow-Gold-Verhältnis (der Dow-Index geteilt durch den Goldpreis) zeigt, dass das Verhältnis 1999 bei 44 Punkten seinen Höhepunkt markiert hat. 2011 erreichte es ein Zwischentief bei 6, als Gold sein Hoch bei 1.920 $ markierte. Das Verhältnis hatte einen massiven Verlust von 86 % verzeichnet, und für Aktieninvestoren war es, effektiv betrachtet, geradezu vernichtend.

Wie man im Chart unten sieht, kam es bei den Aktien anschließend zu einer Erholung, allerdings nur um 50 % der vorausgehenden Verluste relativ zu Gold. Also: Trotz einer massiven Aktienmarkt-Rally zwischen 2009 und 2018, steht der Dow-Index, von 2000 aus betrachtet, weiterhin mit mehr als 50 % im Minus gegenüber Gold. (Dividenden wurden nicht mit einbezogen, aber auch keine Goldleihen in irgendeiner Form).

AKTIEN SINKEN RAPIDE GEGENÜBER GOLD

Aus technischer Sicht macht es jetzt den Eindruck, als hätte der Abwärtstrend der Aktien im Verhältnis zu Gold wieder eingesetzt. Seit dem Spitzenstand von Oktober haben Aktien inzwischen 20 % gegenüber Gold verloren. Doch das ist nur der Anfang. Am Ende wird das Verhältnis höchstwahrscheinlich bis auf einen Stand von unter 1 fallen, wo es 1980 stand, und möglicherweise sogar noch unter die langfristige Unterstützung bei ½. Dann hätten wir, ausgehend von den aktuellen Ständen, einen massiven 97 %igen Verlust des Aktienmarktes – effektiv betrachtet, also gegenüber Gold. In solchen Größenordnungen bewegt sich also die potentielle Vermögenswertzerstörung, von der die USA und die Welt in den kommenden 2-6 Jahren betroffen sein werden. Aber wie immer bei Vorhersagen: Erst im Rückblick werden wir es genau wissen.

GOLD IN VIELEN WÄHRUNGEN AUF ALLZEITHOCHS

Seit August 2018 ist Gold in US-Dollar um 10 %, oder 120 $, gestiegen. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg bis zum Top von 2011 bei 1.920 $. Doch der vorübergehend starke US-Dollar zeigt nicht die wahre Lage von Gold. Dafür müssen wir Gold in anderen Währungen betrachten. Natürlich weiß man, dass Gold in argentinischen Pesos oder venezolanischen Bolivar exponentielle Bewegungen vollzogen hat. Vielleicht weniger bekannt ist, dass sich Gold in vielen anderen Währungen (wie norwegischen und schwedischen Kronen oder kanadischen Dollars) auf Hochständen befindet oder zumindest in deren Nähe. In australischen Dollars markierte Gold im Dezember 2018 ein neues Quartalsendhoch, was von sehr großer Bedeutung ist. Große Bewegungen beginnen in der Regel in der Peripherie, und das, was gerade mit dem Goldpreis in vielen verschiedenen Währungen passiert, wird sich letztlich auch auf alle anderen Währungen übertragen. Es käme also nicht überraschend, wenn sich im Jahr 2019 in allen Währungen neue Goldhochs einstellen würden, auch im US-Dollar. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass dies nicht in einer gradlinigen Bewegung geschieht und hohe Volatilität zu erwarten ist.

GOLD-SILBER-VERHÄLTNIS BESTÄTIGT ANSTEHENDE STARKE BEWEGUNG BEI DEN METALLEN

Der andere wichtige Vorhersagewert für die Edelmetalle ist das Gold-Silber-Verhältnis, das ich schon häufig erwähnt habe. Echte, nachhaltige Aufwärtsbewegungen bei Gold und Silber wird es nur dann geben, wenn auch das Gold-Silber-Verhältnis fällt – d.h. wenn Silber schneller steigt als Gold. Zu Weihnachten hat das Verhältnis ein neues Hoch bei 87 markiert und ist innerhalb von sieben Handelstagen um 6 % gesunken. Noch brauchen wir weitere Bestätigungen für diese Bewegung, die langfristigen Momentum-Indikatoren bekräftigen jedoch die Ansicht, dass eine große Abwärtsbewegung begonnen hat.

RISIKEN HÖHER ALS JEMALS ZUVOR IN DER GESCHICHTE

Wir wissen Folgendes: Die Risiken in den Anlagemärkten und im Finanzsystem sind heute größer als jemals zuvor in der Geschichte, und das liegt am Umfang der globalen Verschuldung. Aktuell liegt diese bei 250 Billionen $, mit ungedeckten Verbindlichkeiten sowie Derivaten kommen weitere 1,75 Billiarden hinzu, womit sich ein Gesamtrisiko von mehr als 2 Billiarden $ ergibt. Sobald sich diese Risiken in Form von Ausfällen manifestieren, werden die Zentralbanken mit Geldschöpfungsprogrammen reagieren, welche die vergangenen QE-Initiativen in den Schatten stellen werden. Der große Unterschied zwischen heute und 2007-09 ist folgender: Das nächste Mal wird das Falschgeld keine Wirkung entfalten. Der Umfang des Problems und die Geldschöpfung werden die gleichen Auswirkungen haben wie in jeder hyperinflationären Ökonomie. Der Dollar und andere Währungen werden solange abwerten, bis sie komplett entwertet sind.

Die Zeiten ändern sich, so viel ist klar. Bob Dylan, der Nobelpreisträger, beschrieb den Verlauf der Ereignisse, die wir demnächst erleben werden, vor fast 55 Jahren in seinem Song von 1964:

THE TIMES THEY ARE A-CHANGIN’

Bob Dylan 1964

Come gather ’round people
Wherever you roam
And admit that the waters
Around you have grown
And accept it that soon
You’ll be drenched to the bone.
If your time to you
Is worth savin’
Then you better start swimmin’
Or you’ll sink like a stone
For the times they are a-changin’.

Das Lied ist nach der ersten Strophe noch recht lang, ich füge hier nur noch die letzten fünf Zeilen an, die treffend die Vermögenszerstörung und den Vermögenstransfer beschreiben, die wir bald erleben werden:

The order is
Rapidly fadin’.
And the first one now
Will later be last
For the times they are a-changin’.

DIE GRÖSSTE DEPRESSION, DIE ES JE GAB?

Jetzt ist also die Zeit gekommen, „mit dem Schwimmen zu beginnen“, da die größte Vermögenszerstörung der Geschichte einsetzt. Doch der größte Teil der Anlegerwelt hat noch nicht einmal begonnen zu verstehen, wie ernst alles werden wird. Die anstehende Implosion von Aktien, Anleihen, Immobilien und buchstäblich allen anderen Anlagemärkten ist nur ein Aspekt der kommenden Super-Baisse der Weltwirtschaft. Trotzdem würde das schon für die größte Depression der Geschichte reichen, denn die Aktienmärkte werden um 75 % – 90 % fallen und Schuldner werden zahlungsunfähig.

Der anstehende Zusammenbruch der Finanzmärkte wird alle Aspekte der Gesellschaft entscheidend beeinflussen. Es wird, erstens, Massenarbeitslosigkeit geben. Die meisten Länder beschönigen ihren Arbeitslosenquoten. Die reale Arbeitslosigkeit in den USA liegt bei ca. 22 %. Jene Quote von 3,9 %, die letzte Woche veröffentlicht wurde, ist reine Fiktion. Es gibt 96 Millionen arbeitsfähige Amerikaner, die keine Anstellung haben. Sie werden jedoch praktischerweise aus den Scheinstatistiken herausgehalten. Während der kommenden Depression wird die reale Quote wahrscheinlich deutlich über jenen 25 % liegen, die es in den USA der 1930er gegeben hatte. In allen industrialisierten Ländern wird das gleiche passieren.

EIN GEHALTSCHECK VOM ELEND ENTFERNT

Die meisten Menschen im Westen leben von Lohnzahlung zu Lohnzahlung. Mit Kreditkartenschulden, Hypotheken, Studien- und Autokrediten würden sie sehr schnell zahlungsunfähig werden, blieben die monatlichen Lohnzahlungen aus. 1980 war der durchschnittliche US-Amerikaner mit dem Doppelten seiner Monatseinkünfte verschuldet. Heute ist es das 5-fache. Über 50 % der amerikanischen Kinder leben in einem Haushalt, der staatliche Unterstützung bezieht.

Bislang hat sich der Sozialismus um buchstäblich jeden Menschen gekümmert, der nicht über die Runden kam. In den meisten europäischen Ländern hat es seit Jahrzehnten Sozialismus gegeben. Schrittweise werden nun auch die Vereinigten Staaten zu einem sozialistischen Land. Und allem Anschein nach ist der Sozialismus auch das perfekte politische System gewesen, um ewigen Wohlstand zu erzeugen und Wählerstimmen zu kaufen. Das Problem ist nur, dass der Sozialismus nur solange funktioniert, solange das Geld anderer Leute nicht ausgeht.

Da Staatsschulden und Zinssätze gemeinsam steigen werden, wird immer mehr Geld gedruckt werden müssen, um Finanzausfälle, drohende Bankenbankrotte, explodierende Derivatepositionen, schnell steigende Staatsausgaben (wie Sozialleistungen), implodierende Rentenfonds, einbrechende Steuereinnahmen, etc. finanzieren zu können. Die Liste der zu stopfenden Löcher ist endlos.

GLOBALER NEUSTART ZUM SCHEITERN VERURTEILT

Wenn die Hyperinflation Einzug hält und die meisten Währungen durch Geldschöpfung entwertet wurden, werden die Regierungen versuchen, eine kryptobasierte elektronische Währung einzuführen. Doch das ist nur eine weitere Falschgeldvariante, die erfolglos bleiben wird. Ich denke nicht, dass es einen globalen, geordneten Neustart geben wird, da sich die Großmächte nicht darauf einigen werden können. China und Russland werden ihr eigenes Ding machen und ebenso die USA. In der EU wird bis dahin vielleicht schon völliges Chaos herrschen, beim Euro ebenso. Die Banken in Italien, Griechenland, Spanien, Frankreich, im Vereinigten Königreich und Deutschland werden zusammenbrechen.

TRAUEN SIE DEM FINANZSYSTEM NICHT

Geld, das auf der Bank liegt, egal wo auf der Welt, wird entweder durch Insolvenzen, Bail-Ins oder durch die Totalentwertung von Währungen verloren gehen. Vielen anderen Anlagen, die in einer Bank gehalten werden, könnte ein ähnliches Schicksal bevorstehen.

Kassandras werden nie gemocht, weder vor dem Ereignis, das sie vorhersagen, noch danach. Ich habe oft zu verstehen gegeben, dass ich hoffe, meine Vorhersagen mögen falsch sein, denn sollten sie zutreffen, wäre das vernichtend für die Welt. Die meisten Menschen werden erst nach dem Ereignis weiser sein. Eines ist klar: Die Risiken sind enorm und Vermögensschutz bedeutet, dass man Maßnahmen im Vorfeld des Ereignisses trifft, und die Zeit dafür ist jetzt.

Das wichtigste Kapital, das den Menschen mit auf den Weg gegeben wurde, sind Verstand und Gene, einschließlich Gesundheit. Alles Materielle können wir verlieren, egal wie gut wir es schützen. Doch das Überleben hängt meistens davon ab, wie wir unseren Verstand einsetzen (solange wir natürlich gesund sind). Selbst die besten Pläne können scheitern. Denken Sie an „The times they are a-changing“, unvorhergesehene Ereignisse werden aus dem Nichts geschehen. Folglich müssen wir uns auf das Unvorhergesehene vorbereiten und, wenn nötig, reagieren. Es wird kein statischer und leicht vorherzusagender Verlauf der Ereignisse sein. Es wird panische Momente geben, und es wird scheinbar ruhige Zeiten geben. Der Trend wird jedoch klar und deutlich sein, d.h. steil abwärtsgerichtet für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte. Es könnte zehn Jahre dauern, oder länger. Keiner weiß das. Wichtig ist aber, dass man sich mit Gruppen aus Freunden und Familie umgibt, die einen unterstützen, aber auch mit anderen Menschen, die einem nützlich sein werden, wie vertrauenswürdige Finanzexperten, Ärzte, Landwirte, Händler, etc. Und vergessen Sie dabei nicht: AUCH DAS WIRD EINMAL ZU ENDE GEHEN.



Egon von Greyerz
Gründer und Managing Partner
Matterhorn Asset Management
Zürich, Schweiz
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Matterhorn Asset Management lagert strategisch einen bedeutenden Teil ihres Vermögens in der Schweiz in physischem Gold und Silber ausserhalb des Bankensystems. Wir freuen uns, unserer hochgeachteten Kundschaft aus über 60 Ländern einen einzigartigen und hervorragenden Service zur Verfügung zu stellen.


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